
Es hatte sich wenig in Neustadt verändert. Nur ein Haus am Markt war abgebrannt,
und an dessen Stelle war ein neues gebaut, sonst erschien alles, als ob es unter
einer Glasglocke aufbewahrt worden sei. Dass die Menschen sich mehr verändert
hatten als die Gebäude, erschien fast als ein Wunder.
    Jetzt zog es ihn so sehr nach seinem Hause in der Kröppelstraße, dass er
nicht aufblickte, aus Furcht, nun von jemand erkannt und festgehalten zu werden.
Schnell schritt er dicht an den Häusern hin, bis er um die letzte Straßenecke
bog, die das niedere Dach, unter welchem er geboren war, seinen Blicken entzog.
Nun ging er sehr langsam und verwunderte sich über die Kinder, die sich vor
seiner Haustür versammelt hatten und auf den Flur starrten. Noch einige
Schritte, und er sah über ihre Häupter weg auch in die Tür und sah vier Lichter
um einen Sarg brennen. Die Base Schlotterbeck war gestorben und ließ ihn durch
den Oheim Grünebaum grüßen und ließ ihm noch manches andere durch den Oheim
bestellen; der Sarg war schon am Morgen zugenagelt worden, und das Begräbnis war
auf vier Uhr nachmittags festgesetzt. Die Grube, die Hans Unwirrsch auf dem
Friedhof gesehen hatte, war eben für die gute, alte Base Schlotterbeck bestimmt;
es war alles in der Ordnung zugegangen, aber Hans konnte doch nicht begreifen,
dass es so sein müsse.
    Da war der Oheim Grünebaum. Er erkannte den Neffen nicht, und es dauerte
geraume Zeit, ehe es ihm klar wurde, wer der Herr war, der solchen Anteil an ihm
und der Jungfer Schlotterbeck nahm. Es mochte viele Leute geben, die den Oheim
für einen Schuster hielten, der sich um die meisten seiner fünf Sinne getrunken
hatte, aber sie taten ihm unrecht. Der Oheim hatte viel Durst in seinem Leben
gehabt und ihn oft gestillt, aber er hatte auch »ein Herz im Leibe«, und das
hatte ihm »jetzo den Dampf angetan«. Der Oheim Nikolaus Grünebaum war ein
hinfälliger, halb kindischer Greis geworden; er saß im Winkel und winselte und
verlangte nach der Base.
    Es waren noch andere Leute zugegen: der Maurer mit seiner Familie, viele
Nachbarn und Nachbarinnen, die dem Leichenkuchen zugesprochen hatten und sich
jetzt halb verlegen, halb zudringlich um den Herrn Kandidaten drängten, um die
Verstorbene zu rühmen und ihre Meinung dahin auszusprechen, dass es gut sein
würde, wenn der Himmel nun auch baldigst den Meister Grünebaum zu sich nähme.
Hans zog halb mit Gewalt den guten Oheim aus dem kläglichen Gewirr, das er nicht
aus dem Hause bannen konnte. Er führte ihn sorglich gleich einem guten Sohn die
Treppe hinauf in das Gemach, in welchem einst Anton Unwirrsch und der Oheim an
Hansens
