 Teil zur Verwirklichung der
behaglichen Phantasie beitragen; aber die tanzenden, wirbelnden Gedanken wollten
sich nicht bändigen und auf dem Konzeptpapier fesseln lassen. Hungrig ging Hans
auf die Jagd nach ihnen, während die Spatzen immer weniger wählerisch wurden,
was ihre Nahrung anbetraf. Es musste die Zeit kommen, wo der »Hungerpastor«
einsah, dass es nichts half, die Gedanken zu jagen, wenn man von ihnen gejagt
wurde. Die Zeit, wo er auf den Bergen und in den Wäldern der Universitätsstadt
den Vögeln, Bäumen, Blumen und Wolken im überströmenden Gefühl so leicht die
schönsten Reden gehalten hatte, war auch vorbei. Der Mann, der von der Welt
soviel mehr erfahren hatte, als einst der Schüler davon wusste, konnte in solcher
Weise nicht mehr reden und schreiben. Die mit Fleisch und Blut begabten
Gestalten, die wirklichen, lebendigen Verhältnisse, kurz, die Dinge, wie sie
waren, hatten eine völlige Umwälzung im Gemüt hervorgebracht. Eine so völlig
subjektive Natur wie Hans Unwirrsch wurde damit auf dem Papier nicht so leicht
fertig, wie es vor dem Versuche erschien, und am einundzwanzigsten Oktober
brachte ihm der Postbote einen Brief, welcher den in Sorgen, Wehmut und Überdruss
verlorenen Schriftsteller vollständig verwirrte und die Vollendung des
Manuskriptes ganz und gar in Frage stellte.
    Es war ein nebeliger Nachmittag, am Himmel über den Dächern konnte man nicht
eine scharf gezeichnete Wolkenbildung ausfindig machen und in ihrem langsamern
oder schnellern Zuge verfolgen. Mit bänglichen Gefühlen hatte Hans wieder in
seinen Geldbeutel geblickt, kein Gott half ihm fort über die jammervolle
Gewissheit, dass er nicht ein Millionär sei, wie er vor vierzehn Tagen geglaubt
hatte.
    Wenn man sich nur jedesmal das richtige, passende Wetter für jede krankhafte
Stimmung verschreiben könnte, so würde man viel leichter darüber wegkommen. Es
war sehr unangenehm, dass Hans sich für diesen Nachmittag keinen klaren, blauen
Himmel oder ein lustiges Schneegestöber bestellen konnte: der Nebel scheuchte
ihn immer tiefer »in die Melancholei«.
    Er saß also am Fenster, stützte den Kopf mit der Hand, starrte auf die
Wäsche, die vor den Fenstern gegenüber trocknen sollte, und grübelte nach über
des Erdballs Ärgernisse. In Wahrheit, es ging schlecht mit Hans, und der
Gedanke, dass er für die Freiheit vollständig untauglich sei, erwies sich als
sehr peinigend. Was hatte der Kandidat in der gewünschten Freiheit begonnen?
Drei Tage lang hatte er Luftschlösser gebaut, dann hatte er an jedem Morgen bis
tief in den Tag hinein geschlafen; sehr billigen Tabak hatte er zu sehr
scheusslichem Kaffee geraucht, und nun hatte er den ersten Bogen seines »Buches«
zerrissen. Am einundzwanzigsten Oktober hielt Hans Unwirrsch die Idee, durch
seine Hungerpredigten ein berühmter Mann und der Befreier des Fränzchens zu
werden,
