 feierliche, lustige Buch aufschlägt, die »Abenteuer des
sinnreichen Ritters Don Quijote von La Mancha«, welche Miguel Cervantes de
Saavedra, »geübt in Trübsalen«, im Gefängnis begonnen und in Armut und Elend,
behaftet mit der Wassersucht, vollendet hat.
    Es war eine liebenswürdige Prinzessin, die war in ein uneinnehmbares
verzaubertes Schloss mit himmelhohen Mauern, dessen Eingang harte Wächter und
böse Dämonen bewachten, gebannt. Und es war ein junger Ritter, der hatte die
Prinzessin durch ein Wunder und eine Spalte in der Mauer gesehen und hatte auch
ihre süße Stimme vernommen. Da war er auch verzaubert worden. Er wurde freilich
nicht festgebannt, er durfte umhergehen und -laufen, wie es ihm beliebte, und
wenn er hätte nach Amerika auswandern wollen, so hätte ihm das freigestanden;
aber er ging nur um den Turm, in dem das Fräulein im dunkeln Winkel saß und -
Geduld hatte. Während nun dieser Ritter um den Turm ging, dachte er nach über
allen Zauber und alle Verzauberungen sowie über die dahin einschlägigen Bücher -
eine sehr nützliche Beschäftigung, welche wohl Klarheit in die Verhältnisse der
menschlichen Natur bringen kann. Während dieser Ritter mit seiner Sehnsucht im
Herzen seinen eigenen Weg ging, musste er auf die Fußstapfen vieler anderer
achten, und er sah, »wie der eine einhergeht auf dem weiten Felde des Ehrgeizes,
der andere auf dem Schleichwege der knechtischen, niederträchtigen Schmeichelei,
wieder ein anderer den Weg der heuchlerischen Betrüger«. Er sah, wie der
Menschen Pfade weit hinausliefen in die Welt, und er wurde besser, treuer und
mannhafter, indem er seinen Kreis um das Zauberschloss mit der sanften,
lieblichen Prinzessin beschritt. Es war kein enger Kreis - es hatte alles Raum
darin, was im Menschen und um ihn Echtes, Wahres und Schönes aufwächst. Allein
schon die Überzeugung, dass das Fräulein im Turm erlöst werden müsse, dehnte den
Ring bis in die Ewigkeit aus und bewahrte vor Engherzigkeit und jeglicher
Verkümmerung. Dass das zu schaffende Manuskript des Hungerbuches ebenfalls mit in
den Kreis gehöre, schien keinem Zweifel zu unterliegen; wie es aber damit wurde,
sollte der Paladin baldigst erfahren.
    Am Abend des dritten Tages nach Hans Unwirrschs Einzug in die Grinsegasse
besserte sich das Wetter, und man konnte ohne Regenschirm ausgehen. Der Kandidat
trat hervor, um frische Luft zu schöpfen, und natürlicherweise führte ihn sein
Weg nach der Parkstrasse, vorüber an dem Hause des Geheimen Rates Götz. Das Haus
sah heute in der Dämmerung nicht anders aus als sonst zu dieser Tages- und
Jahreszeit, aber dem unter den Bäumen hinschleichenden Hans schien es so tot und
ausgestorben, dass es nicht auszusagen war. Der Mut sank ihm sehr; - vor einer
Stunde noch hatte ihm in seiner Dachstube
