; - die Einwände aber, die Kleophea machte,
gaben dem Doktor erwünschte Gelegenheit, hundert glänzende Schlingen um ihr
rebellisches Selbst zu werfen. Mit Kleophea Götz sprach Teophile in einer
andern Weise als mit ihrer Mutter. Nicht bloß die weiche, sanfte Desdemona wird
gewonnen, wenn der »abenteuernde Afrikaner« erzählt von
...weiten Höhlen, wüsten Steppen,
Steinbrüchen, Felsen, himmelhohen Bergen;
Von Kannibalen, die einander schlachten,
Antropophagen, Völkern, deren Kopf
Wächst unter ihrer Schulter.
Der Zauber ist fast noch größer, wenn dem unbiegsamen, kräftigen, feurigen
Weibe, das sich in Trotz und Unmut vergeblich gegen kleinliche Verhältnisse
abängstigt und in zorniger Schönheit an verachteten Ketten zerrt - in solcher
Weise vorgelogen wird. Es gehört nicht viel dazu, unter solchen Umständen die
Seele eines Weibes zu fangen. Von Schlachten und Belagerungen konnte nun
freilich Teophile nicht erzählen, und als Sklav war er auch nicht verkauft
worden; aber er sprach von andern Dingen, die ihm Anspruch auf eine »Welt von
Seufzern« geben konnten. Er machte Kapital aus seiner Abstammung und dunkeln
Jugendexistenz und war elegisch und rührend trotz Hans Unwirrsch. Wie leicht und
eben ihm der Weg in die Welt durch seinen armen Vater gemacht worden war,
verschwieg er weislich; durch eigene Manneskraft und eigenen Mannesmut hatte er
natürlich alle Hindernisse besiegt, die sich ihm entgegengestellt hatten. Er
klappte seinen Hemdkragen à la Byron um und deutete an, dass er - lord of
himself: tat heritage of woe! - nicht immer den graden Pfad gegangen sei, dass
es Tiefen, dunkle, schwarze Tiefen in seinem Busen gebe, Abgründe, in die er
nicht hinabsehen dürfe, ohne schwindlig zu werden. Offen, aber mit dumpfer
Bitterkeit sprach er von einzelnen Epochen seiner Vergangenheit, von frühen
Irrtümern und Fehlern; er verlangte nicht das Mitleid der Menschen, aber er
duldete auch nicht ihre Vorwürfe; er schloss seine Rechnungen selber ab; finstere
Wolken hingen ringsumher, Nacht war es in seinem Innern; aber er hatte den
Hunger nach dem Licht noch nicht verloren, und deshalb allein - konnte er noch
unter den Lebenden wandeln, ohne von der Last des Daseins zum Krüppel gedrückt
zu werden.
    Kleophea war in ihrem ganzen Leben nicht so schweigsam gewesen wie um diese
Zeit. Die Geheime Rätin fing an, von dem günstigen Einfluss zu reden, welchen der
Doktor auf das Mädchen ausübe. Was um diese Zeit der Herr des Hauses von dem
Verkehr Teophiles mit seiner Gemahlin und Tochter dachte, ist deshalb nicht
kundgeworden, weil er nicht um seine Meinung gefragt wurde. Aber eine Tatsache
ist, dass er öfter als je in tiefe Gedanken versunken schien und seltsamerweise
dann am ersten daraus erwachte, wenn Franziska ihn anredete oder auch nur
