 in kriegerischer
Ordnung heranmarschirt gekommen war, in wilder Verwirrung sich zurückziehen,
vorauf ein reiterloses Pferd und zwischendurch kleine Truppen von drei, vier
Mann, welche Tote oder Verwundete eiligst aus dem Bereiche der Barricade
trugen.
    Von den Männern des Volkes war nur einer, und selbst der durch keine
feindliche Kugel verwundet. Der alte Karabiner war bei dem ersten Schusse
gesprungen, und ein Stück davon hatte den Nebenmann des Schützen leicht am Kopf
gestreift. Dieser Unfall trug indessen nur zur Erhöhung der guten Laune bei. Man
schrie Hurrah, man gratulirte einander, man lachte, man scherzte, man war in der
besten Stimmung.
    Oldenburg teilte die Siegesfreude nicht. Von der Notwendigkeit des Kampfes
war er ebenso überzeugt, wie ihm ein glücklicher Ausgang desselben problematisch
war. Er hatte die Februartage in Paris mit durchlebt und durchfochten, und der
Unterschied der beiden Revolutionen konnte ihm nicht entgehen. Dort hatte er ein
Volk gesehen, das mit dem vollen Bewusstsein der Unhaltbarkeit der Regierung,
gegen welche es sich auflehnte und mit dem vollen Verständnis der Situation in
den Kampf zog - hier fand er die größte Unklarheit über die endlichen Ziele, und
zum Teil die naiveste Unkenntnis in Betreff der gegenwärtigen Lage. Aber, sagte
er sich, ist es doch nicht immer die freie, geistgeborene Tat, deren der Genius
der Menschheit zu seinen Zwecken bedarf. Wirkt er doch auch in dem dunklen
Triebe, der aus geheimnisvollen Tiefen unaufhaltsam zum Lichte drängt. Wenn
diese harmlosen und im Grunde wenig politischen Menschen, welche die geringsten
Zugeständnisse zur rechten Zeit befriedigt haben würden, nicht für den freien
Staat der Zukunft, sondern nur gegen die brutale Herrschaft einer einzelnen
Kaste fechten - die großen Folgen können nicht ausbleiben, und wer ein krankes
Glied abschneidet, rettet dadurch vielleicht den ganzen Körper.
    So suchte sich Oldenburg die schweren Bedenken, die ihm die Physiognomie
dieser Revolution einflößte, weg zu philosophiren. Er war auf dem Platze vor dem
Schloss gewesen, als die verhängnisvollen zwei Schüsse, die das Signal zum
Ausbruch wurden, fielen und das Militär seine ersten Attaquen auf das wehrlose
Volk machte. Er und andere wackere Männer hatten vergeblich dem Blutvergießen
Einhalt zu tun gesucht, indem sie sich mit Gefahr des Lebens durch die Soldaten
drängten und den commandirenden Officieren den Wahnsinn dieser Metzeleien klar
zu machen sich bemühten. Offener Hohn und im besten Falle mürrisch grobe
Abweisung war Alles, was man ihren Gründen entgegenzusetzten hatte. Als
Oldenburg sah, dass er so nichts mehr nützen könne, und dass es bis zum Äußersten
gekommen sei, hatte er Melitta's Wohnung unter den Akazien zu erreichen gesucht,
um sie und die Kinder vor dem hereingebrochenen Sturm in Sicherheit zu bringen.
Aber er hatte einen weiten Umweg machen müssen, denn schon hielt das Militär
