 ein oder das andere Mal im
Palais Letbus und verschwinde dann wieder, um von Zeit zu Zeit aus Hamburg,
Baden-Baden, Wiesbaden »freundliche Grüße« an seine Gemahlin zu senden.
    Auch dass dem Fürsten daran gelegen war, sie mit seinen Ansichten bekannt zu
machen, entging Helene nicht.
    Ich halte den Kriegerstand, sagte er einmal, nicht nur für den edelsten,
sondern auch für den nützlichsten; für den edelsten, weil er allein jede Kraft
des Mannes wach ruft und erprobt, für den nützlichsten, weil er die
Grundbedingung für alle übrigen Stände ist, die ohne ihn gar nicht existieren
könnten. Dass der Bauer in Frieden seinen Kohl bauen, der Handwerker ruhig in
seiner Werkstatt sitzen, der Künstler ungestört in seinem Atelier, der Gelehrte
in seinem Studirzimmer arbeiten kann, das haben sie dem Krieger zu verdanken,
der für sie am Tore schildert, des Nachts für sie die Straßen patrouillirt,
lärmende Pöbelschaaren zu Paaren treibt und gegen den Feind, der das Land
bedroht, in den Kampf zieht. Mit diesem Stande verglichen sind alle andern
niedrig und gemein, und dass er der unbestritten höchste und edelste ist, zeigen
auch die Herrscher, indem sie sich für gewöhnlich und nun gar bei feierlichen
Gelegenheiten in die Tracht desselben kleiden. Deshalb sollte aber auch nur ein
Adeliger Offizier werden dürfen. Dass man neuerdings auch angefangen hat, den
Bürgerlichen Zutritt zu unsern Reihen zu verstatten, halte ich für einen
beklagenswerten Fehler, der sich früher oder später empfindlich an uns rächen
wird.
    Aber glauben Sie denn, dass der Bürgerliche unbedingt zu dem Berufe
untauglich ist? fragte Helene.
    Ohne Zweifel, erwiderte der Fürst mit Nachdruck. Jagd und Krieg müssten
durchaus dem Adel reservirt bleiben, nicht, weil Bürgerliche überhaupt nicht
auch eine Büchse abschiessen oder einen Säbel schwingen, sondern weil sie es
nicht in dem rechten Geist, mit dem rechten Geiste können. Der bürgerliche Geist
ist nun einmal ein specifisch anderer, als der adlige; es find das Unterschiede,
die sich nicht mehr in Worte fassen lassen, die aber nichtsdestoweniger
vorhanden und für jeden - für mich zum wenigstens - sehr fühlbar sind. Nehmen
Sie zum Beispiel den Begriff der Standesehre. Ein Bürgerlicher, der keine Ahnen
hat, die denselben Degen führten, den er jetzt an der Seite trägt, - was kann es
ihm sein, ob er diesen Degen vor jedem Flecken rein bewahrt oder nicht? Ich habe
noch keinen bürgerlichen Offizier gekannt, bei dem es mir nicht mindestens
zweifelhaft gewesen wäre, ob er bei einer tätlichen oder groben wörtlichen
Beleidigung den Beleidiger sofort niederstossen würde. Nun aber frage ich Sie,
wie kann bei solch einem Mangel an dem richtigen point d'honneur überhaupt von
kriegerischem Sinn und Geist die Rede
