 besten Falle
gleichgiltigen Welt. Und o! der Seligkeit, wenn nun hier, in diesem wüsten
Gedränge, eine warme, weiche Hand seine Hand treulich fasst und eine liebe Stimme
zu ihm spricht: Sei stark! harre aus! wenn Alles Dich verlässt, ich will Dich
nicht verlassen; wenn Andere Dir Deine Triumphe neiden, mich werden sie selig
machen, und wenn Dir Dein Werk misslingt und sie Dich verspotten und verhöhnen,
oder es Dir wohl gelungen ist, sie aber gleichgültig und kalt daran vorübergehen
- dann sollst Du Dein müdes Haupt an diese Brust lehnen, dann will ich Dir die
fiebernden Schläfen mit meinen Küssen kühlen, dann will ich Dir den köstlichen
Balsam guter, teilnehmender, tröstender Worte träufeln in Dein armes,
zerrissenes Herz! - O, dreimal glückseliger Mann! jetzt lass die Welt ihr
Aergstes tun, Du zitterst nicht, Du zagst nicht! In Deines Weibes Liebe hast Du
den Punkt des Archimedes, auf den Dich stützend, Du die Welt aus den Angeln
hebst.
    Und so habe ich denn in meinem Leben mehr als einen Mann kennen gelernt, der
mit einer Liebe, die schlechterdings grenzenlos war, die mit dem stetigen Glanz
des Nordsterns unerlöschlich, unwandelbar durch die Nacht seines Lebens brannte,
an dem Weibe seiner Wahl hing; und ganz gewiss, wo wir in der Geschichte einen
Arnold Winkelried finden, der todesmutig der Freiheit eine Gasse brach, der
tat es um der Freiheit willen? ja! um des Vaterlandes willen? ja! aber vor
allem tat er es für Weib und Kind, die ihm der Auszug und die Quintessenz von
Welt und Leben waren.
    Melitta ließ das Buch in den Schoss sinken, und schaute sinnend vor sich
nieder; dann legte sie es nieder auf den Tisch, und trat an das Fenster.
    Es war beinahe dunkel geworden, und statt der einzelnen Flocken von vorhin
fiel der Schnee jetzt ziemlich dicht herab, zerschmolz auch nicht mehr an der
Erde, sondern hatte bereits eine dünne weiße Decke über den Rasenplatz
gebreitet. -Melitta fing an, sich über das lange Ausbleiben ihres Julius
ernstlich zu bekümmern. Sie machte sich Vorwürfe, dass sie den Knaben noch so
spät hatte fortreiten lassen. Und auch Oldenburg kam nicht. Wenn er hier wäre,
würde sie ihn bitten, den Beiden entgegenzureiten. Wie gern würde er's tun.
    Sie ging voll Sorge in das Speisezimmer, rechts neben dem Gartensaal, von
dessen Fenstern man eine kurze Strecke weit auf den Weg, der in den Wald über
Grenwitz nach Kona führt, sehen konnte. Der Schnee fiel jetzt so dicht, dass man
kaum noch den Waldrand hoher düsterer Tannen erblickte, obgleich er nur einige
hundert Schritte entfernt war. Sie öffnete das Fenster und
