 so haben Sie
darin ganz Recht gehabt. Ich bin weggeblieben, weil ich mit Oswald Stein nicht
wieder zusammentreffen wollte.
    Aber, sagte Sophie, Franz hat mir doch gesagt, dass Sie und Stein sehr gute
Freunde gewesen wären. Wodurch seid Ihr denn auseinandergekommen?
    Wodurch? antwortete Bemperlein. Ja, Fräulein Sophie, das ist es ja eben, was
ich Ihnen so gern sagen möchte und doch nicht sagen darf. Würden Sie mit Jemand
umgehen, oder vielmehr, würden Sie nicht Jemand auf alle Weise auszuweichen
suchen, der einen Dritten, den Sie eben so sehr lieben wie verehren, tötlich
beleidigt hat?
    Gewiss, sagte Sophie, denn dann hätte er ja mich selbst beleidigt. Aber sind
Sie auch gewiss, dass die Sache sich wirklich so verhält? Haben Sie auch beide
Teile gehört? Was mich betrifft, so bin ich eben nicht sehr entzückt von Herrn
Stein, oder offen gesagt, er missfällt mir desto mehr, je öfter ich ihn sehe;
aber Franz, der sonst so klug ist und die Menschen so durchschaut, schwärmt doch
förmlich für ihn. Wie wäre das möglich, wenn Stein ein schlechter Mensch wäre?
    Ich habe nicht gesagt, dass er schlecht ist, erwiderte Bemperlein, eine große
Kohle bearbeitend; schlecht ist überhaupt ein relativer Begriff; und was ich
schlecht gehandelt nenne, nennt Herr Stein vielleicht nur leichtsinnig, oder
cavalièrement gehandelt oder dergleichen. Ich nenne aber schlecht gehandelt,
wenn Einer -
    Hier unterbrach sich Bemperlein und hieb wiederum auf die große Kohle los.
    Wie würden Sie es zum Beispiel nennen - ich spreche hier nicht von Herrn
Stein - wenn Einer einem armen abhängigen verwaisten, hülflosen Mädchen, das
Niemand, Niemand auf der weiten Welt hat, der es schützen könnte und würde, so
lange von Liebe vorschwatzt, bis das Mädchen an diese Liebe glaubt, sie zu
heiraten verspricht mit allen heiligen Eiden; und sie dann hernach an einen
Wüstling verkauft und verrät, verkaufen, verraten will - o, es ist schändlich,
schändlich!
    Aber, um Gotteswillen, Bemperchen! hat Oswald so etwas getan!
    Ich sagte Ihnen schon, ich spreche nicht von Herrn Stein. Es gibt mehr
Kavaliere auf der Welt, von denen Einer dem Andern so ähnlich sieht, wie eine
Natter der andern Natter.
    Liebes Bemperchen, bitte, bitte, stellen Sie den Schürer hin - ich kann es
wahrhaftig nicht mehr aushalten. Nehmen Sie diese Schlummerwalze, wenn Sie
durchaus etwas in den Händen haben müssen.
    Danke! sagte Bemperlein, den Schürer fortstellend und die Walze nehmend, und
darauf, die Walze wie ein Kind im Arm haltend, in Schweigen versinkend.
    Sophie fing jetzt alles Ernstes an, sich über Bemperleins aufgeregten
Zustand zu beunruhigen. Wie erschrocken
