 gestörte Familienfriede der Familie Klemens ist sofort wieder
hergestellt. Man begrüßt die Eintretenden so herzlich wie möglich.
    Die lange Begrüßung zwischen den Familien Klemens und Snellius ist noch
nicht zu Ende, als sich abermals die Tür öffnet, um den Doctor Kübel nebst Frau
und Tochter einzulassen. Ihnen folgen die Herren Doctoren Wimmer und Breitfuss.
    Da wäre ja unser Kränzchen nun wohl beisammen, sagt Director Klemens, sich
sanft die Hände reibend und die Stimme mäßig erhebend, und nur unsere lieben
Gäste fehlen noch.
    Unsere Gäste, liebster Kollega? sagt Professor Snellius, ich denke, es
handelt sich nur um den Singularis von hospes.
    Minime! ruft der Director, ich habe Ihnen, meine Damen und Herren, heute
Abend einen Dualis, ja sogar einen Pluralis von Überraschungen zugedacht. Es
werden außer unserem neuen Kollegen Stein noch zwei Gäste kommen, von denen ich
mir für unseren geselligen Kreis sehr viel verspreche. Raten Sie, wer?
    Aber, Moritz, es sollte ja eine Überraschung sein, sagt Frau Klemens in
vorwurfsvollem Ton.
    Ich glaubte, Liebe, es ist besser, wir bereiten das Kränzchen darauf vor.
Ist es doch unser Wunsch, die Betreffenden nicht bloß für einen Abend als Gäste
zu haben, sondern sie dauernd für unser Kränzchen zu gewinnen, und müssen wir
doch zu diesem Zweck nach den Statuten, die Du selbst entworfen hast, die
Einwilligung sämmtlicher Beteiligten haben.
    Wer ist es, Herr Director? fragt Doctor Wimmer. Sie spannen uns auf die
Folter.
    Ein Herr, dessen Name in der Gelehrtenrepublik einen guten Klang hat, und
eine Dame, die für Sie, als lyrischer Dichter, von ganz besonderem Interesse
sein wird, Kollege Wimmer.
    Eine Dame? ruft Herr Wimmer, indem er sich mit der Hand durch sein sorgsam
gepflegtes reiches Haar fährt, für welche unzeitige Regung der Eitelkeit er
durch einen strafenden Blick der Dame, deren Locke er auf dem Herzen trägt,
gestraft wird.
    Ja, eine Dame, Kollege, ein hochbegabtes, lyrisches Talent.
    Ohne Zweifel Primula; ich meine Frau Professor Jäger; ruft Herr Wimmer.
    Richtig geraten, die Dichterin der Kornblumen und der Interpret der
Fragmente des Chrysophilos, werden heute Abend eine Gastvorstellung geben, die
hoffentlich zu einem dauernden Engagement führen wird, sagt Herr Director
Klemens mit seinem sanftesten Lächeln.
    Ein erstauntes, langgezogenes Ah! bezeugt das Interesse, welches die
Gesellschaft an dieser Nachricht nimmt.
    Ich hatte auch noch einen andern Grund, Jägers gerade heute zu bitten, fährt
der Director fort, es war, wenn Sie wollen, eine Rücksicht der Humanität gegen
unsern neuen Kollegen Stein. Er ist ganz fremd in unserm Kreis und scheint
überdies scheu, befangen und wenig gewohnt, sich in größeren Cirkeln zu bewegen.
