 wie jetzt zum Beispiel - aus dem Felsen - wollte sagen aus der Flasche schäumt
und perlt - dann beuge ich meinen langen Kameelhals und trinke, trinke, trinke
und segne die dürre, braune Wüste, die mir zu diesem göttlichen Durst verhalf.
    Und Herr Timm stürzte ein volles Glas Champagner hinunter mit der hastigen
Gier eines Wanderers, dessen Zunge am Gaumen klebt.
    Oswald betrachtete, den Kopf in die Hand gestützt, den übermütigen Gesellen
ihm gegenüber, mit einem eigentümlichen neidischen Wohlgefallen. Wie scharf und
keck, und, bei aller Schärfe und Keckheit, fein und geistreich war dies fast
knabenhafte glatte hübsche Gesicht! Wie gut stand ihm der übermütige Hohn, der
um die beweglichen Nasenflügel zuckte und die scharfgeränderten roten Lippen
krümmte! Wie flogen von diesen Lippen die Worte, so schnell wie gefiederte
Pfeile, von denen jeder in's Schwarze trifft. Welche souveräne Verachtung jeder
Phrase, aller Ziererei, aller Lappen, mit denen Heuchler und Toren die nackte
Blöße bemäntelt, sprach aus des Mannes ganzer Haltung, aus der Art, wie er den
Kopf in den Nacken warf, oder den Dampf der Zigarre von sich blies, oder die
Flasche aus dem Kühler nahm, umschüttelte und sich das alle Augenblicke leere
Glas wieder voll schenkte! Wie leicht trug dieser Mann die schwere Bürde des
Lebens! leicht wie ein Löwe mit der geraubten Gazelle über Hecken und Gräben
springt.
    Oswald war, sich Vergessenheit zu trinken, hierher gekommen. Er hatte, was
er gewollt. Seine Stirn glühte, während er, dem Beispiele seines Gefährten
folgend, ein Glas nach dem andern hinuntergoss. Er hatte sich seit langer, langer
Zeit nicht so frei und glücklich gefühlt, wie in diesem Augenblick.
    Was nun Sie anbetrifft, edler Ritter, fuhr Timm fort; so sind Sie ein
Grieche, ohne Mittel zu haben, es stets sein zu können, und ohne Kameelgabe, die
Zeit, wo Sie es nicht sein können, der nächsten vergnüglichen Zukunft einfach
auf die Rechnung zu setzen. Statt dessen spielen Sie den Nazarener und befinden
sich dabei genau so wohl, wie ein Adler, dem man die Flügel und die Fänge
beschnitten und einen Ring um das Bein gelegt hat. So schlägt nun die nicht
verausgabte überflüssige Kraft nach innen und hemmt den normalen Gang Ihrer
durchaus auf heiteres Genießen angewiesenen Natur. Es ist nicht das erste Mal,
dass ich Sie auf diesen Widerspruch Ihres Wesens aufmerksam mache. Erinnern Sie
sich, was ich Ihnen schon in Grenwitz sagte? Sie hassen den Adel, Sie hassen die
Reichen, Sie hassen die Mächtigen, weil es Ihnen in allen zehn Fingern juckt,
adlig und reich und mächtig zu sein. Gehen Sie mir doch mit Ihrem moralischen
Firlefanz von dem Adel der Gesinnung,
