 Alles, was ich nur
wünschen kann? Ich wäre wahrlich sehr, sehr undankbar, könnte ich das auch nur
einen Augenblick vergessen.
    Du bist ein gutes, verständiges Kind, sagte die Baronin, ihre schöne Tochter
auf die Stirn küssend, ich werde noch recht viel Freude an Dir erleben. Das ist
meine sichere Hoffnung, wie es mein tägliches Gebet ist. Ach, meine liebe
Tochter, glaube mir, ich bedarf gar sehr dieses Trostes, wenn ich nicht den
vielen Sorgen, die auf mich einstürmen, unterliegen soll.
    Die Baronin hatte sich auf ein kleines Sopha gesetzt; sie schien sehr erregt
und trocknete sich mit dem Taschentuche die nassen Augen.
    Was hast Du, liebe Mama? sagte Fräulein Helene mit wirklicher Teilname; ich
bin nur ein unerfahrenes Mädchen, aber wenn Du Vertrauen zu mir haben kannst,
teile Dich mir mit. Wenn ich Dir auch nicht raten und helfen kann, so vermag
ich doch vielleicht Dich zu trösten, und das würde mir eine große Freude
bereiten.
    Liebes Kind, sagte die Baronin, Du bist lange - komm, setze Dich her zu mir
und lass uns einmal recht vertraulich mit einander reden - Du bist so lange vom
elterlichen Hause entfernt gewesen und warst noch so jung, als Du es verliessest,
dass Du notwendigerweise von unsern Verhältnissen so gut wie gänzlich
ununterrichtet bist. Du glaubst, wir seien reich, sehr reich; aber es ist
beinahe das Gegenteil der Fall, für uns Frauen wenigstens. Das ganze große
Vermögen fällt nach des Vaters Tode - den der allgütige Gott in seiner Gnade
noch recht lange verhüten möge - an Deinen Bruder. Mir bleibt, außer einer sehr
geringen Wittwenpension, nichts - und Du, mein armes Kind, gehst gänzlich leer
aus.
    Aber, Mama, ich hörte doch immer, dass Stantow und Bärwalde dem Vater
gehörten, und dass er darüber ganz frei verfügen könne?
    Du irrst, mein Kind; die beiden Güter gehören nicht dem Vater. Sie werden
ihm vielleicht einst gehören, wenn sich der eigentliche Erde bis zu einer
gewissen Zeit nicht meldet. Ich kann über diesen Punkt nicht ausführlich sein,
liebes Kind, weil ich dabei gewisse Verhältnisse Deines Onkels Harald berühren
müsste, über die man mit einem jungen Mädchen lieber nicht spricht. Genug, auf
die Güter können wir nicht mit Bestimmtheit rechnen. Alles, was uns bleibt, sind
einige tausend Taler, die Dein Vater und ich bis jetzt von unserer Rente haben
erübrigen können.
    Liebe Mama, mache Dir meinethalben keine Sorge, sagte Fräulein Helene; ich
bin in Hamburg nicht verwöhnt, und der Luxus, mit dem mich hier Deine Liebe
umgeben hat, ist mir etwas ganz Neues. Ich werde auch mit Wenigem zufrieden und
glücklich sein
