,
wenn auch nicht sagte: revolutioniert gegen wen ihr wollt, nur nicht gegen mich.
    Nicht ganz so tolerant war Graf Damian. Die Fahne der Freiheit wünschte er
nur gegen die Übergriffe der Kirche, wie er sich ausdrückte, aufgepflanzt zu
sehen und im übrigen möge es beim Alten bleiben. Pressfreiheit, Lehrfreiheit,
allgemeine Volksvertretung schienen ihm überflüssig, da ja das Volk unmöglich
diese Massen von Freiheiten genießen könne.
    »Aber die Freiheit muss es haben, am Sonntage zu arbeiten, statt in die Messe
zu gehen,« setzte er hinzu, »denn davon hängt manchmal seine Existenz ab.«
    Es war Abend. Die Familie war versammelt, man las Zeitungen und diskutierte.
Regina mischte sich höchst selten ins Gespräch, welches sich meistens um
Gegenstände bewegte, die ihr fremd waren. Nur Angriffe gegen die Kirche suchte
sie zu beseitigen. So antwortete sie auch jetzt dem Grafen mit ihrer lieblichen
Stimme:
    »Der Mensch lebt nicht vom Brod allein.«
    »Sehr wahr, Regina!« rief Orest; »er bedarf auch Beafsteak, Austern und Côte
rotie.«
    »Seit einer Stunde sitzest Du hier, als hättest Du die Sprache verloren,«
sagte der Graf - »und plötzlich ein Orakelspruch? Woher hast Du ihn?«
    »Aus dem Evangelium, lieber Vater. Christus weist damit den Versucher ab;
und ist das nicht eine sehr passende Antwort für alle, welchen die Versuchung
nahe tritt, den Sonntag durch knechtliche Arbeit zu enteiligen?«
    »Das Evangelium hat keine Glaubwürdigkeit mehr vor der modernen Kritik,«
wendete Florentin ein.
    »Das heißt,« sagte Uriel erklärend - denn Regina sah erstaunt Florentin an -
»ein gelehrter Herr hat die historische Tatsache, dass Christus gelebt und
gelehrt hat, zu einer Myte entgeistet, und diese hat bei einigen Leuten, zu
denen auch Florentin gehört, Beifall gefunden. Das Evangelium gilt ihm für ein
Menschenmachwerk, vielleicht in böser und gewiss in beschränkter Absicht
zusammengesetzt, und er verwirft es.«
    »Wie seltsam das ist,« sagte Regina, »lieber an einen Gelehrten zu glauben,
als an die vom Sohne Gottes offenbarte ewige Wahrheit.«
    »Jener Gelehrte,« erwiderte Florentin, »ist nur deshalb glaubwürdig für
mich, weil er das Bewusstsein einer Menschheit ausspricht, die nach achtzehn
Jahrhunderten wohl das Recht hat, Windeln abzuschütteln, welche ihren
Fortschritt immer gelähmt haben und jetzt im grellen Widerspruch mit ihren
Bedürfnissen und Bestrebungen sind.«
    »Wäre die Menschheit wirklich im Widerspruch mit dem Evangelium, was ich
aber durchaus nicht annehme,« sagte Regina, »so wäre sie im Rückschritt und
nicht im Fortschritt begriffen, und müsste geschwind umkehren.«
    »Die Menschheit ist nicht im Widerspruch mit
