 geistliche Leben hinein. Mit ihr betrat er die
Tempelschwelle und mit ihm wandelte er zum innersten Heiligtum. Und jetzt waren
Beide auf einmal von der Erde verschwunden! das geistige Band, das ihn mit
Beiden verknüpfte, war so innig, dass ihm zu Sinn war, als müsse er ihr seliges
Leben auf Erden führen - aber selig, wie der Mensch selig sein kann: nicht in
den Wonnen und Freuden der überströmenden Liebe, sondern in ihren heißesten
Opfern. Mehr denn je fühlte er sich entflammt zur unbedingten Hingebung seines
Herzens, seiner Seele, seines Wesens an die leisesten Bewegungen der Gnade, und
er flehte zu Gott, dass dieser himmlische Gnadenhauch ihn ebenso zu Orest wie zu
Judit leiten möge. Dass Orest's Leidenschaft durch Judit's Verlust weder
gebrochen noch besiegt sei, war für Hyazinth ganz klar. War es nicht schon ein
Gnadenwunder, dass Judit zur Erkenntnis kam! es konnte sich um so weniger
sogleich für Orest wiederholen, als Beide einen ganz verschiedenen Standpunkt
einnahmen. Sie war unwissend über die Dinge des Heiles; er verschmähte sie - und
dieselbe Offenbarung, welche Judit bis in's Herz hinein erschütterte,
verleugnete Orest. Ach, und welcher Trotz, welche unsinnige Erbitterung gegen
die Kirche ließ sich von Orest's zügelloser Aufregung gerade jetzt erwarten, da
die Leidenschaft ihm immer vorspiegeln werde, die katholische Kirche habe ihm
Judit geraubt. Sie war gerettet - aber er! aber er! seufzte Hyazinth; wie ist
sein Herz zu schmelzen, wie ist sein Wille geschmeidig zu machen? was wird ihn
zur Reue bringen? was mit Gott versöhnen? ach, er schwebt in solcher Gefahr
einer immer wachsenden Verfinsterung durch Leidenschaft zu verfallen, dass sein
nächster Schritt ihn in den Abgrund stürzen kann. O, dass er gerettet werde! dass
die Finsternis von ihm weiche! dass er nicht in seinen Sünden dahin taumele, eine
Beute des Bösen. O, dass ich mein Leben für ihn hingeben, mein Blut für ihn
vergießen dürfte - welch' seliges Opfer wäre das! Er beschloss sogleich nach
Judit's Taufe mit Orest zu sprechen, und damit der heilige Geist ihm das rechte
Wort auf die Lippen legen, und keine sündige Unvollkommenheit von seiner Seite
die Gnadenwirkung hemmen möge, empfing er mit größter Andacht das heilige
Sakrament der Busse. Jeden Fehltritt, jede Schwachheit, jede irdische Regung, die
seine zarte Gewissenhaftigkeit ihm als Versündigung gegen die göttliche Liebe
vorführte - jede Unvollkommenheit in der Ausübung seines Amtes und jede
Aufwallung von Ermüdung in seinem Beruf, wodurch er fürchtete, den heiligen
Geist betrübt zu haben: Alles fasste er in demütiger, reuevoller Anklage zusammen
und badete seine Seele fleckenrein in der reinigenden Kraft des Blutes Jesu,
welche das Sakrament der
