 Begraben in dem Kerker des Staubes
vegetierte meine Seele nach den Instinkten und für die Leidenschaften der
gefallenen Natur - und immense Kräfte hab' ich verschwendet, suchend,
versuchend, traurig, unbefriedigt, rastlos, ohne glücklich zu sein oder
glücklich zu machen. So haben Sie mich gekannt. Ich hatte keine Richtschnur, die
höher gelegen hätte, als mein Ich. Jeder glaubenslose Mensch ist sein eigener
Gesetzgeber - ganz logisch; der letzte Grund der hohen Gesetze, die das Opfer
des Ichs, die Selbstverläugnung, die Entsagung vorschreiben, ist in Gott - und
fallen weg, wenn der lebendige Glaube an ihn wegfällt. Ich wollte durchaus
glücklich sein. Ich hoffte es mit Ihnen zu werden. Achtung vor fremdem Recht,
wenn es meinen Egoismus beeinträchtigte, hatte ich nicht. Ich versprach. Ihre
Frau werden zu wollen, und ich versichere Sie, ich wollte es mit der äußersten
Entschiedenheit. Einen edlen Instinkt hatte ich .... zwischen vielen unedlen;
und das war meine Neigung zur Wahrheit. Nur wusste ich durchaus nicht, ob es denn
auch eine absolute objektive Wahrheit gebe, die unabhängig sei von allem
Menschenwitz. Sie ist mir aufgegangen wie eine übernatürliche Sonne, in deren
Licht ich mich selbst und das All zu erkennen beginne. Aus der Schattenwelt
meines Individualismus trete ich in den Tag der Offenbarung - aus meinem
subjektiven Denken und Meinen an die überwältigende Majestät der katholischen
Glaubenslehre heran; und da sollte mein Leben in seinem früheren Geleise
fortgehen.... gottbeleidigend, sündhaft, weltlich? da sollt' ich nicht suchen,
gemäß meiner Erkenntnis zu leben? da sollte meine Handlungsweise die Wahrheit
verleugnen, die mein Herz anbetet? Sie sehen wohl ein .... das ist unmöglich!
Die paar Worte, die ich von dem Priester gehört habe, sind keine anderen, als
die, welche vor achtzehnhundert Jahren die glaubenslose Welt zu Füßen des
Kreuzes niederwarfen.«
    »O sprich! .... sprich weiter! sprich noch mehr, Du angebetetes, Du
göttliches Geschöpf!« rief Orest. »Was Du sagst, verstehe ich! was Du glaubst,
will auch ich glauben, wohin Du gehst, folge ich Dir - aber mit Dir, Judit!
nicht ohne Dich. Mit Dir will ich in Deinen Himmel, zu Deinem Gott! Mit Dir ....
will ich vor dem Kreuz knien, das Du anbetest! Mit Dir .... soll kein Opfer mir
zu hoch, zu schwer sein! Aber Judit! ohne Dich - fahre die Welt zur Hölle ....
und ich zuerst. Weißt Du jetzt mehr von den Dingen der Ewigkeit als zuvor, so
wirst Du auch wissen, dass man einen Menschen, dem
