! und dann gefasst sagte:
    »Wohlan, Orest, töten Sie mich! ich hab' es verdient.«
    Grimmig rief Orest, indem er immer ihre Hände festhielt und zuweilen wütend
schüttelte:
    »Schlange, die mich Jahrelang mit ihrem Blick bezaubert, mit ihren Windungen
umringelt hat .... Schlange, die klug nie Gewährung gab, nie Hoffnung nahm ....
Schlange, die endlich, endlich! ihre Zusage halten, ihr Versprechen erfüllen
soll, und nun mir entschlüpfen will. Ich träume von Paradiesen in irgend einem
entlegenen Winkel der Welt .... paradiesisch nur durch ihren Besitz; ich habe
keinen anderen Gedanken, als den, mich mit ihr aus dem wüsten, langweiligen
Menschengewühl zu flüchten und von ihr allein mein Glück zu verlangen; mir
brennt der Boden unter den Füßen, so lange zwischen ihr und mir verhasste
Schranken gezogen sind; ... und in dem Augenblick, wo sie fallen sollen, da will
die Schlange sich glatt und kühl mir entwinden?! Nein, Signora! das lässt sich
der Orest nicht gefallen.«
    »Was denken Sie also zu tun, Herr Graf?« fragte Judit ruhig.
    »Ich lasse nicht von Dir!« rief er in einem anderen Ton, doch nicht weniger
stürmisch.
    Sie schüttelte sanft den Kopf und sagte:
    »Ich verdiene Ihren Hass, Ihre Verachtung, Ihren Zorn! Ich sage nicht eine
Silbe, um mich für meine Vergangenheit bei Ihnen zu entschuldigen; aber, teurer
Orest .... fortan trennen sich unsere Wege.«
    »Judit!« rief er und sank ihr zu Füßen, »wie ist es denn möglich, einen so
grässlichen Treubruch zu begehen, weil man ein paar Worte von einem Priester
gehört hat!«
    »Ach, Orest, es sind ja Worte, die plötzlich dem Leben einen neuen Inhalt,
eine neue Bestimmung, ein neues Ziel geben! ich wusste ja nichts von der
gefallenen Natur, die durch die Sünde von dem höchsten Gut, von der ewigen
Liebe, der göttlichen Liebe getrennt ist; nichts von dem zärtlichen Erbarmen
Gottes, der dieser dahingesunkenen Menschheit Gnade schickt durch des
eingeborenen Sohnes Opfer im Leben, im Leiden, im Sterben - als Gott-Mensch, als
Erlöser; nichts von der Kirche, welche für alle Weltzeiten der Menschheit diese
Gnade vermitteln soll; nichts von der reinigenden und heiligenden Kraft seines
göttlichen Blutes in den Sakramenten; nichts von seiner beseligenden
eucharistischen Gegenwart; nichts von der Wonne des Opfers; nichts von der
Herrlichkeit der himmlischen Liebe; nichts von der Sünde, als Beleidigung
Gottes; nichts von der Tugend, als Verähnlichung mit Gott; nichts vom Leid, als
Nachfolge Gottes; nichts von Christus!
