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    »Reginas Gebet hat vielleicht all' die Gnaden erwirkt, welche über Sie
zusammengeströmt sind, Signora. Regina hat den Kern des Glaubenslebens gründlich
erfasst: das Opfer. Dem Opfer folgen Gnaden; das ist eine so tiefe Wahrheit, eine
so unleugbare Tatsache, dass die ganze vorchristliche Welt dies geheimnisvolle
Gesetz einer höheren Macht anerkannte und sich davor beugte. Die Wiedergeburt
der Menschheit ging aus dem Opfer hervor, das der Sohn Gottes zur ewigen Sühne
darbrachte - und alles Gute, Große und Schöne, was seitdem auf Erden geschieht,
ist eine Neugeburt dieses Opfers in dem Menschen, der es ausführt. Das Beste,
Größte und Schönste, was hienieden geschehen kann, ist die Rettung der Seelen.
Darum erheischt sie die größten Opfer. Darum muss der Hirt der Seelen, der
Priester - ein Opfernder sein. Darum muss der Missionär, der Ordensmann, die
Klosterfrau, die sämtlich den Beruf zur Rettung der Seelen haben und ihre
Aufgabe durch äußere und innere Tat vollziehen: darum müssen sie ein Opferleben
führen. Darum müssen ganze Epochen in der Weltgeschichte oder große
Erscheinungen in der Epoche den Charakter des Opfers tragen. Das Christentum war
tötlich bedroht in den ersten Jahrhunderten durch heidnische Verfolgung; die
Martyrer, die nach Millionen zählen, opferten sich mit Blut und Leben: und es
siegte. Es war tötlich bedroht durch die wütenden Häresien des Orients; und eine
ganze Welt von Asceten erhob sich zum stillen Opfer der Irdischkeit: es war
gerettet. Tötlich bedroht war es Jahrhunderte hindurch von den barbarisch
vernichtenden Stürmen und Zügen der Völkerwanderung; da erschienen die großen
Glaubensboten und Ordensmänner, dreifach sich opfernd, als Apostel, Martyrer und
Asceten, streuten, schützten, pflegten himmlische Saaten - und das Christentum
war gerettet. Tötlich bedroht war es im Mittelalter teils durch häretische
Sekten, die im Gewande falscher Heiligkeit ihr Gift versprjetzten, teils durch
die gewaltige Neigung der Welt zu den Lüsten der Erde und den breiten
behaglichen Genüssen der sinnlichen Freuden. Ein Heer von opferfreudigen Seelen
erhob sich in solcher Masse, dass der Jüngling die Braut nicht fand und die
Jungfrau keinen Gatten; so waren die Herzen entbrannt in Liebe zur Armut und zur
Entsagung, wie St. Franziskus, der Seraphische sie lehrte und übte. Das
Christentum fand durch sie seinen Nerv und seine Kraft wieder. Und abermals war
es bedroht durch den grausigen Abfall des sechzehnten Jahrhunderts, den der
Welt- und Erdgeist in Verbindung mit der Häresie stifteten; und abermals wurde
es gerettet durch Scharen von Heiligen, die das Kreuz ins Herz und in die Hand
nahmen und mit einer alles überflügelnden Opferliebe die Tage des Apostolats und
des Martertums durch sich selbst, ihre Zöglinge und geistlichen Söhne erneuerten
und auf dem ganzen Erdball das Christentum teils retteten, teils verbreiteten
