 Bekehrung des Saulus zum Paulus dar.
Zum Zeichen seiner Macht über die widerstrebendsten Geister unter den Kindern
Israels stellt Gott solche Menschen wie Denksteine in der Welt auf. Welch eine
übermenschliche Seelenstärke und Liebe zur Tugend gehört dazu, um einen Menschen
aus dem ungebundenen Rausch eines glänzenden, vielfach bewegten Lebens in den
Habit und die Zelle des Karmeliten zu führen.«
    »Was muss Gott sein .... für die, die ihn lieben!« sagte Judit.
    »Das ist's!« rief der Marquis überrascht. »Signora, Sie verstehen alles ....
wie eine gewiegte Katolikin!«
    »Es gibt nun einmal solche Menschen, die ihre Freuden da finden, wo wir
verzweifeln müssten,« sagte Orest. »Ich habe ja ein solches Beispiel an meiner
Kousine erlebt. Ein bildschönes, liebenswürdiges Mädchen begräbt sich bei
zweiundzwanzig Jahren im Kloster der Karmelitessen. Man fasst, man begreift so
etwas gar nicht.«
    »Wenn man den Grund dafür matematisch - oder durch Wahrnehmungen der fünf
Sinne bewiesen haben will: dann freilich ists nicht zu fassen,« sagte der
Marquis.
    »Und kann irgend etwas vor der Vernunft Geltung haben,« fragte Florentin,
»was sich nicht auf jenem Wege beweisen lässt?«
    »Wenn Sie alles verwerfen, was die Sinne nicht wahrnehmen und was die
empirische Wissenschaft nicht beweist,« entgegnete der Marquis, »so verwerfen
Sie das ganze höhere Geistesleben des Menschen, die ganze sittliche und
intellektuelle Welt, alle Lehren und Grundsätze, auf denen die Menschheit ruht.
Aus ihrem chemischen Schmelztiegel geht nicht Gott, nicht die Offenbarung, nicht
das Gewissen hervor. Leugnen Sie aber das alles - womit füllen Sie dann den
furchtbaren Abgrund aus, der sich im Innern einer Seele auftut, welche von allen
übernatürlichen Traditionen abgelöst, an nichts sich hält, als an der sichtbaren
Welt; also am Nichts! .... denn die vergeht! In allen großen Gesetzen und hohen
Ideen der Menschheit, in ihrem ganzen Leben und Weben verrät sich die Ahnung
einer übernatürlichen Welt, mit welcher der Menschengeist in geheimnisvoller
unleugbarer Verbindung steht.«
    »Dieser Behauptung kann vielfach widersprochen werden,« sagte Florentin,
»zum Beispiel durch den Zustand, in welchem sich der größte Teil der Menschheit
befindet. Die wilden Völker wissen nichts von solcher Ahnung.«
    »Weil der Geist bei ihnen in jenen Stumpfsinn gefallen ist, der ihm die
Überwucherung durch die Materie bereitet,« erwiderte der Marquis.
    »Und das ist auch der Grund,« rief Judit, »weshalb die Wilden unter den
gesitteten und gebildeten Nationen jene Ahnung verloren haben und jenen
Zusammenhang leugnen: ihr Geist ist geknechtet vom Materialismus. Sprengt ein
Geist diese Fessel, so erwacht
