 und vortreffliche
Menschen,« sagte Orest.
    »Das ist kein Grund, um vom Glauben abzufallen,« entgegnete Korona, »denn
wenn er gültig wäre, so könnte man auf denselben Grund hin ein Renegat des
Christentums werden: es soll unter den Muhamedanern ebenfalls sehr
rechtschaffene Menschen geben.«
    »Daraus geht hervor, dass alle Religionsformen vollkommen gleichgültig sind,«
sagte Orest. »Da der Christ nichts voraus hat vor dem Muselman und dem
Buddhisten - wie könnte dann wohl im Christentum selbst die eine Konfession sich
über die andere erheben wollen?«
    »Lieber Orest,« sagte Korona, »bedenk' es wohl! Es ist jetzt mit Dir dahin
gekommen, dass Du die göttliche Offenbarung der christlichen Glaubenslehre, auf
welcher die christliche Sittenlehre beruht, verwirfst - und zwar deshalb, weil
dies himmlische Sittengesetz, das den Menschen zur Heiligkeit führen soll, in
der katholischen Kirche gelehrt und aufrecht gehalten wird, während sie zugleich
die Mittel der Gnade aufbewahrt und spendet, die den Fortschritt zu diesem Ziel
ermöglichen. Du hast Dich von demselben abgewendet; Du entsagst dem Streben nach
himmlischen Gütern, dem Kampf für Pflicht und Tugend; Du verwirfst die erhabene
Glaubenslehre, welche Dir in dem Streit zwischen Gutem und Bösem, der in keiner
Menschenbrust rastet, übernatürliche Waffen bietet; Du lässt Dich besiegen von
irdischer Leidenschaft; und dann sprichst Du von rechtschaffenen Menschen
außerhalb der Kirche, als ob Du nach einer Vortrefflichkeit strebtest, die
innerhalb derselben nicht zu finden wäre - und fast in einem Atem von der
Gleichgültigkeit aller Regionen. Kannst Du bei einer solchen inneren Verwirrung
denn überhaupt einen Entschluss fassen wollen?«
    »Du machst mich verwirrt mit Deinen Widersprüchen und Einwürfen!« rief Orest
zürnend. »Ich weiß, was ich tun will und Du weißt es jetzt auch. Hättest Du mir
die Hand geboten zur friedlichen Lösung unseres traurigen Verhältnisses, so
hättest Du mir einen Gewaltschritt erspart. Der komme auf Dein Gewissen. Du
treibst mich in die Arme des Protestantismus!«
    »Gerade so, wie Gott Dich auf den Weg des Verderbens führt - nicht wahr?«
sagte Korona mit trübem Lächeln. »Das gehört zusammen! Gott und der Nächste
müssen unsere Schuld tragen, wenn wir anders nicht mit ihr fertig werden
können.«
    »Willst Du die Verantwortung nicht übernehmen,« rief er, »wohlan! so bleibe
sie mir! Ich fürchte mich nicht davor. All' diesen kirchlichen Gesetzen
gegenüber hat das Menschenherz seine unverlierbaren Rechte; die nehme ich in
Anspruch - und mit ihnen werde ich mich vor Himmel und Erde ohne Scheu
verantworten.«
    »Orest!« rief Korona flehend, »erbarme Dich Deiner Seele! Du wirfst die
Religion von Dir, wie eine lästige Kette
