: Gottes Gnade und Deinen freien Willen.
Stürzest Du Dich ins ewige Verderben, indem Du göttliche Gesetze verachtest, um
den Gesetzen Deiner sündhaften Natur zu folgen, so ist das nicht Gottes Fügung,
sondern Dein Widerspruch gegen seine Fügungen, sondern derselbe Ungehorsam, der
einst Luzifer aus dem Himmel und Adam aus dem Paradiese stürzte. Und mit der
entsetzlichen Vorstellung, Dich in der Feindschaft Gottes, Dich auf dem Wege zum
ewigen Tode, Dich ausgeschlossen von Gottes Gnade und Herrlichkeit zu wissen,
darf und wird Deine Familie sich nie versöhnen. Sie muss darüber untröstlich sein
und bleiben. Was die Gesellschaft betrifft, und ob sie die niedrigen Ansichten
hat, die Du ihr zuschreibst - bleibe dahingestellt. Eines aber weiß ich: hat sie
allzu große Nachsicht mit sträflichen Liebesverhältnissen, so ist sie doch
unerbittlich in Bezug auf diejenigen Ehebündnisse, welche nur geschlossen werden
konnten, indem ein Teil oder beide vom katholischen Glauben abfielen. Diese sind
für immer von der Gesellschaft - ich spreche von der katholischen -
ausgeschlossen und tragen das Brandmal der Bigamie. Bei jedem strafbaren
Liebesverhältnis darf man die Hoffnung hegen, dass die Beteiligten zur Besinnung
kommen, von ihrer Schwäche sich aufraffen und die entsetzliche
Gottesbeleidigung, die sie sich zu Schulden kommen lassen, erkennen, bereuen und
sich zu ihrer Pflicht bekehren werden. Ist aber der Abfall vom Glauben
geschehen, um das Eheband, das sie als ein unauflösliches kennen, scheinbar zu
beseitigen und scheinbar ein neues zu knüpfen, so beweist dieser Schritt, dass
sie sich mit Besonnenheit und Überlegung entschlossen haben, für's Leben der
Zeit und der Ewigkeit in der Trennung von Gott, welche durch die Todsünde
bewirkt wird, zu verharren.«
    »Die protestantische Welt ist vernünftiger!« erwiderte Orest gelassen.
    »Hast Du Achtung vor ihrer Auffassung der Ehe?«
    »O, das ist gar nicht nötig! ich will, dass sie vor mir Achtung habe und
Judit als meine rechtmäßige Frau anerkenne. Und das tut sie, wenn ich
protestantisch werde. Mehr verlang' ich nicht. Sie öffnet mir die Arme; Ihr
sprecht Bann und Interdikt wider mich: da ist es ganz natürlich, wenn ich mich
dahin wende, wo ich liebevoll aufgenommen werde.«
    »Ja!« sagte Korona grenzenlos traurig, »so macht es die gefallene Natur: sie
wendet sich dahin, wo ihr geschmeichelt, wo ihr der herbe Kampf der
Selbstverläugnung erspart wird. Das ist gerade so, wie wenn ein Kind das
Vaterhaus verliesse, um sich leichtsinnigen Kameraden anzuschließen, und dann
behauptete, diese meinten es besser mit ihm, als seine Eltern, denn sie hießen
seine Torheiten gut, hingegen wollten die Eltern sie nicht dulden.«
    »Es gibt unter den Protestanten höchst rechtschaffene
