 Heerde anvertraut hat, der Nachfolger des
Gottessohnes in diesem heiligsten Amt, der Stammvater aller Stellvertreter des
Herrn als Oberhaupt der Kirche auf Erden: Petrus ruht da.
    Korona's Lieblingsausflug war immer nach St. Peter und ihr Lieblingsplatz
dort war am untersten Pfeiler des linken Seitenschiffes, nächst dem Eingang;
denn von dort blickt man gerade auf Rafaels Transfiguration, die in einer
Mosaikkopie über dem Altar des Kreuzschiffes sich erhebt. Die hohe majestätische
Marmorhalle bildet eine lange Perspektive vor dem großartigen Gemälde, in
welchem Rafaels Genie allen Jammer der Erde und alle Seligkeit des Himmels wie
in einer wunderbaren Vision zusammengestellt hat. Während sich der göttliche
Heiland auf dem Tabor vor seinen drei auserwählten Jüngern in himmlischer
Verklärung zeigt, leuchtend, schwebend, strahlend, Mittelpunkt und Spitze eines
überirdischen Lichtglanzes, angebetet von Moses und Elias, die in einer
niedrigeren Region schweben; stehen am Fuß des Berges die übrigen Jünger ratlos,
angstaft und niedergeschlagen dem trostlosen Vater gegenüber, der den
besessenen Knaben in seinen Armen hält, der verzweiflungsvollen Mutter
gegenüber, die ihnen zürnend vorwirft, dass sie ihr Kind, ihr einziges, ihr
vielgeliebtes, nicht retten können, dem Volk gegenüber, das von ihnen dieselben
Wunderheilungen wie von ihrem Meister verlangt. Aber der Meister ist nicht bei
ihnen und deshalb vermögen sie nichts! ohne Christus keine Rettung, keine
Heilung, kein Trost, kein Sieg über den Geist des Bösen. Ohne Glaube ist der
Mensch tot in sich und unbrauchbar zum Gnadenwerk. Aber hoffet nur, ihr
Geplagten, ihr Leidenden, ihr Hilflosen! der Herr ist nah. Glaubet nur! er
selbst steigt aus seiner Verklärung, von seinen übernatürlichen Taborshöhen in
eure Finsternis und euer Elend herab. Glaubet nur! bittet nur! Er kommt, um euch
zu retten und euch von der Übermacht des bösen Geistes zu befreien! Ein
göttliches Bild, jeder Menschenseele verständlich! aber für Korona ganz voll
lebendigster Anklänge, für die jammervolle Gegenwart sowohl, als für die
Hoffnung, die der göttlichen Barmherzigkeit vertraut, und umsomehr, wenn die
Menschen ratlos sind, welche man sonst als gute Ratgeber kennt. Korona brachte
immer einen Strahl des Trostes in ihrer Seele von der Transfiguration zurück. So
war es auch heute - und sie konnte ihn brauchen.
    Als Orest ihren Wagen über den Platz fahren sah, eilte er hinab, hinderte
sie auszusteigen, während er Felicitas, die ihre Mutter immer in Obhut ihrer
Bonne begleitete, schnell aus dem Wagen hob und dabei zu Korona sagte:
    »Man kann hier im Hause keinen Augenblick vor Störung sicher sein, bald
kommt der Papa, bald Hyazinth - also lass uns nach der Villa Borghese fahren; ich
habe verschiedenes mit Dir zu sprechen.«
    Er setzte sich zu ihr und sie fuhren der
