 sein, die Missachtung einer Welt zu tragen,
die durchaus keinen Maßstab hat und gibt für das, was zu achten und zu verachten
ist und deren Beifall man ganz geschwind wieder erkaufen kann durch eine
Gänseleberpastete und ein paar Flaschen Champagner. Aber schwer, ja unerträglich
wäre es, die Missachtung eines geliebten Mannes ertragen zu müssen. Sie wollen
auffahren, Sie wollen Beteuerungen machen! armer Orest, was sind Ihre
gutgemeinten Worte gegen die Tatsache der Erfahrung! Ich kenne das Menschenherz:
es will eine Glorie um seine Liebe sehen. Je heller die - um desto seliger ist
es, wenn es auch mit Schmerzen und Nöten zu kämpfen hat.«
    »Judit, meine Göttin, Du bist in der Glorie!« rief Orest. »Nun so bleibe
darin, Du unvergleichliches Geschöpf! .... Ich will jetzt einen anderen
energischen Schritt tun.« -
    Er stürmte fort und zu Korona. Sie war nicht daheim. Sie war nach St. Peter
gefahren. -
    Es gibt Menschen - versteht sich, höchst selten, hie und da einmal einer!
die sind von so wundervoller Vollkommenheit, dass man dieselbe gar nicht recht
gewahr wird und ganz treuherzig wähnt, das sei ein Mensch wie unsereiner, bis
man allmälig im näheren Umgang und nach längerer Beobachtung herausbringt, dem
sei nicht so; ihre Vollkommenheit falle nur nicht in's Auge, weil ein
wunderschönes Gleichgewicht sie nach Innen harmonisch ordne und ihnen nach Außen
das Gepräge friedlicher Einfachheit, ohne hervorstechende Züge, verleihe. So
ungefähr ist es mit der St. Peterskirche zu Rom. Ihre Verhältnisse sind von so
herrlicher Harmonie, dass man durch ihre ungeheuere Größe anfangs gar nicht
frappiert wird und nur nach und nach, wenn man in ihr auf Entdeckungen ausgeht,
das Riesenhafte des Baues erkennt, anstaunt und bewundert. Die Engelchen, welche
die Weihwasserschalen halten, sind sechs Fuß lang; der Hochaltar ist so hoch wie
der Palast Farnese - einer der grossartigsten in Rom; die Gemälde über den
Altären sind alle in Mosaik und über Lebensgröße ausgeführt, ohne dass man es
bemerkt. Man muss manchen Besuch in St. Peter wiederholen, bis man sich in seiner
Welt von Kunst und Schmuck, von Reichtum und Größe, von Grabmalen und
historischen Erinnerungen heimisch fühlt. Wie immer und überall, so hat auch da
die Andacht es am besten und leichtesten. Die geht vor bis zu der Balustrade,
welche den Einblick in die Krypta umschließt, kniet nieder und betet. Denn da
ruhen die Reliquien eines Menschen, an dem Gott die Wundertaten seiner Gnaden
seit achtzehnhundert Jahren in einem Maß aufleuchten ließ und lässt, wie an
keinem anderen Staubgeborenen: Petrus, der Fischersmann aus Galiläa, der Hirt,
dem Christus Selbst die Führung seiner
