 ersten Christen alle. Sie waren
bekehrte Heiden und Juden. Sie waren aufs tiefste von der Überzeugung
durchdrungen, dass ihre Bekehrung zum Christentum keine andere Folge haben dürfe,
als die: sich nach dem Beispiel ihres Erlösers ganz und ohne Rückhalt Gott
hinzugeben. Sie betrachteten den Christen als einen himmlischen Menschen, der
wie ein wandernder Fremdling auf Erden weilt; dem es zwar gestattet ist, sich
Hütten zu bauen und sich darin niederzulassen mit denen, die Gott ihm ans Herz
gelegt hat und die er die Seinen nennt - der aber bereit sein soll, von den
Ansiedelungen seines Glückes zu scheiden, wenn der Wille Gottes es verlangt,
oder wenn höhere Fügungen es gebieten; als einen himmlischen Menschen, der zwar
zu seiner heilsamen Demütigung und täglichen Prüfung mit seiner sündigen Natur
und deren Trieben und Begierden verbunden bleibt, aber nicht mehr auf sie hören
und noch weniger ihnen folgen darf; der sich hingegen ganz den Anregungen der
Gnade hingibt, ganz sich leiten lässt vom Geist Gottes, ganz sein Leben
gestaltet, seine Ansichten bildet, sein Urteil bestimmt, seinen Maßstab der
Dinge führt nach übernatürlichen Grundsätzen, welche die christliche
Glaubenslehre ihm darbietet. Für die ersten Christen war die Taufe eine ewige
Scheidung zwischen ihnen und Welt und Teufel, eine unbedingte Aufopferung an
Gott und Verzichtung auf ihr Ich, ein unwiderrufliches Bündnis mit dem
übernatürlichen Leben, das ebenso unwiderruflich die Abwendung von der Sünde in
sich schloss; eine Liebesvereinigung mit Christus. So gingen sie aus der Taufe
hervor, und in dieser Reinheit des Gewissens und der Absicht suchten sie sich zu
erhalten durch großen Eifer zum Gebet, zum Empfang der Sakramente, zum Anhören
der Auslegung des Evangeliums, zur pünktlichen Ausübung aller christlichen
Tugenden. Kam dann der Tod, gleichviel in welcher Gestalt - ob in den Martern
der Verfolgung, ob in dem bekannten Kleide von Alter und Krankheit - so schieden
diese, den Genüssen der Welt und den Leidenschaften des Herzens abgetöteten
Menschen freudig von einer Erde, die ihnen nichts gewesen war, als eine
Schranke, welche sie von dem Gegenstande ihrer einzigen Liebe - von Gott
trennte.«
    »Und dies Geschlecht ist ausgestorben?« fragte Judit traurig.
    »Nein, Signora,« entgegnete Hyazinth, »das stirbt nicht aus! das Blut Jesu
hat nicht seine reinigende und heiligende Kraft verloren. Nur kamen damals seine
Wirkungen in gedrängter Fülle in dem, verhältnismäßig zur Jetztwelt, kleinen
Häuflein der Christen und bei den Bekehrten zum Vorschein, die mit vollem
Bewusstsein das Christentum als die höchste, die göttlichste Gabe empfingen;
während jetzt, wo es über die ganze Erde ausgebreitet und durch beweinenswerte
Irrlehren vielfach gefälscht ist, der Weltgeist sich auch vielfach hinein
gedrängt und die Menschen stumpf gemacht hat für das eigentliche innerste Wesen
des Christentums.
