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    »Es muss ein entsetzlicher Moment sein, zu entdecken, dass man in sich,
gleichsam mit seinem Herzblut, ein Schlangengewimmel nährt, und ich begreife
nicht, wie Sie davon so gelassen reden können, Signor. Ich würde darüber
verzweifeln. Ich kann es nicht ertragen, den Menschen - sowohl mich selbst als
andere - in solcher Erniedrigung zu sehen.«
    »Und zu dieser Erniedrigung des gefallenen Menschen hat sich der Erlöser
herabgelassen, Signora, hat ihr ins Auge und ins Herz geschaut, hat gesehen, dass
er rettungslos unheilbar sei, wenn nicht die Todeswunde des Bösen, welche die
Sünde ihm schlug, geschlossen werde; hat im wunderbaren Geheimnis seiner
Menschwerdung, der menschlichen Natur die Vereinigung mit der göttlichen - und
die Teilnahme an einem göttlichen Leben gebracht und hat der Majestät Gottes
gegenüber seine heiligste Menschheit zu einem Sühn- und Schlachtopfer für den
Abfall der unheiligen gemacht. Und dieser Christus steht jetzt auch vor Ihrer
Tür, Signora, und klopft an und ist bereit, Ihnen die Teilnahme an seinem
göttlichen Leben zu gönnen.«
    »Was wird aus uns, wenn wir ihn aufnehmen?«
    »Der neue Mensch, Signora! Der Mensch ist jetzt nicht mehr in dem Zustand,
in welchem er einst aus der Hand Gottes hervorging. Er bringt auf die Welt das
Stigma des Sündenfalles mit, in welchen der Stammvater seine ganze
Nachkommenschaft bis zum Ende der Zeit verwickelt hat. Das ist die Erbsünde -
dies unergründliche Geheimnis, welches das Gemisch von Erhabenheit und
Niedrigkeit in jedem Menschen erklärt. Er hat etwas vom Engel und etwas vom
Tier: Himmelssehnsucht und gemeine Begierden, einen erhabenen und einen groben
Instinkt, edle und brutale Neigungen. Er trägt das Ebenbild Gottes an der Seele
- und dem Leibe nach, von Staub und Asche, von Fleisch und Blut, steht er in
einer Reihe mit den unvernünftigen Kreaturen. Daraus entspringt eine zwiefache
Sympatie, die von zwiefachem Gesetz angezogen wird; die eine - für das Schöne,
das Geistige, das Ewige, das Unsterbliche; die andere - für Sinnliches und für
rohen Genuss. Das göttliche Gesetz begehrt vom Menschen Gehorsam und
Unterwerfung. Das Gesetz der gefallenen Natur macht denselben Anspruch und die
böse Begier bäumt sich gegen Gott auf. Folgt ihr der Mensch, so begeht er eine
Sünde - und je mehr er ihr folgt, desto schwächer wird seine Kraft für das Gute
und für den Widerstand gegen die böse Begier. Welche Kämpfe aus dieser
Doppelrichtung, aus diesem Streit von zwei entgegengesetzten Elementen, welche
in der menschlichen Natur begründet sind - für jeden Menschen hervorgehen,
welche Niederlagen er leidet, mit welchen Anstrengungen er sich aufrichtet, wie
er sich verzweiflungsvoll zu einer Bahn gedrängt fühlt, die er verabscheut, wie
er sehnsuchtsvoll
