 ich fürchte, er
kämpft mit großen Schwierigkeiten. Fiorino ist von einer unerträglichen
Bitterkeit. Ich möchte ihm täglich, ja stündlich den Laufpass geben und ich täte
es, wenn ich nicht fürchtete, dass er sich dann bei Graf Orest einnisten würde,
was mir nicht lieb wäre, und wenn ich nicht wüsste, dass sich ja in einigen Wochen
oder Monaten seine Stellung bei mir von selbst auflöst. O wär' es so weit! wär'
ich doch getauft, mit Graf Orest vermählt und fort von hier - weit fort, damit
die Judit vergessen werde.«
    »Geduld! Geduld!« entgegnete Lelio; »es wird sich schon alles entwirren und
lichten, wenn man sich nur den himmlischen Führungen überlässt. Suchen Sie nur
Graf Orest recht sanft zu stimmen.«
    »Ach, Lelio!« erwiderte sie, »das geht über meine Kräfte. Er ist, wie die
guten englischen Wettrenner, die, je näher dem Ziel, desto rascher laufen, bis
sie ohne Atem und Besinnung anlangen und selbst von ihrem Reiter nicht mehr
gezügelt werden können.«
    »Diese Eigenschaft ist besser für ein Rennpferd als für einen Menschen,«
bemerkte Lelio trocken.
    »Freilich wohl! der arme Orest ist überreizt durch den Druck seiner
Verhältnisse, für die er kein Gegengewicht hat.«
    »Und an der Seite eines solchen Mannes rechnen Sie auf Glück, Signora?«
    »Warum nicht, Lelio? sobald der Druck aufhört, findet er von selbst sein
Gleichgewicht.«
    »Teure Signora,« sagte Lelio und schüttelte sanft den Kopf, »der Druck, der
auf dem Menschen - auf jedem Menschen - lastet, hat die Bestimmung, ihn höher zu
heben, als er ohne denselben steigen würde. Sehen Sie den Vogel an: auf der Erde
sind ihm seine Flügel lästig und hindern ihn, seine Füße zu brauchen. Aber seine
Last gibt ihm Schwung und er fliegt hoch zum Himmel hinauf. Sehen Sie die Quelle
an, wie sie sich bequemen muss, ihr natürliches Bett zu verlassen und in die
Tiefe hinabgedrückt zu werden. Aber als ein schöner, kräftiger Wasserstrahl
steigt sie im Springbrunnen auf, ein kristallner Baum mit perlenden Zweigen; der
Druck erhebt und verschönert sie. Das soll auch seine Folge in den menschlichen
Charakteren sein. Gerade der Druck soll unseren Willen im Gleichgewicht mit
unserer Bestimmung erhalten. Spüren wir keine Last, so gleitet das Leben
behaglich dahin und versumpft in den Niederungen der Irdischkeit, wo die edle
geistige Natur der Seele zu kurz kommt. Gönnen Sie dem Grafen Orest ein wenig
Druck.«
    »Seit Ihrer Bekehrung, Lelio, haben Sie eine ganz idealische Auffassung des
Lebens bekommen, die mir sehr gefällt, die ich sogar recht gut
