 sie
nach einigen Tagen mit ihm allein war, sagte sie:
    »Haben Sie für mich gebetet, Lelio? In der Villa Diodati versprachen Sie es
mir.«
    »Und ich habe Ihnen Wort gehalten, Signora.«
    »Und Erhörung gefunden, Lelio; denn ich werde jetzt Gräfin Windeck.«
    »Das müssen wri erst abwarten, Signora.«
    »Es handelt sich jetzt meinerseits darum, dass ich die christliche Taufe
empfange und ich wünsche, es möge nach dem katholischen Ritus geschehen; dann
habe ich das meine getan und werde nicht lange mehr zu warten brauchen, mein
armer Lelio. Es wird mit jener Zeremonie ein gewisser Unterricht verbunden:
kennen Sie einen Geistlichen, der mir denselben erteilen könnte?«
    Lelio unterdrückte mit Gewalt den Ausdruck seiner grenzenlosen Freude und
sagte gelassen:
    »Ich werde mich umschauen, Signora.«
    »Halten Sie es für möglich, dass ich nach dem Empfang des Unterrichts Ihre
Ansichten von der katholischen Kirche bekäme?«
    »Für sehr möglich, Signora.«
    »Das wäre mir lieb, außerordentlich lieb - bis auf einen gewissen Punkt. Das
geistige Leben des Menschen nimmt ab und erstirbt, wenn es beständig von seinem
eigenen Fond zehren und aus seinem eigenen Ich schöpfen muss. Hingegen bereichert
und entfaltet es sich, wenn es sich um eine objektive, über allen vernünftigen
Widerspruch erhabene Wahrheit, wie um eine Sonne bewegt. Diesen Mangel empfinde
ich schmerzlich - und noch schmerzlicher die geistige Vereinzelung, in welche
man ohne eine solche Centralsonne verfällt. Man schließt sich an Kunstgenossen
oder an Gesinnungsgenossen an; man versucht es wenigstens. Aber ach! bei solchen
Verbindungen spielen Laune, Leidenschaft und menschliche Schwäche eine so große
Rolle, dass sie nicht von Dauer sein können. Ich sehne mich nach etwas
Unvergänglichem, Lelio, und ich möchte meine trübe, unsichere Erkenntnis durch
Untrügliches gesichert wissen. Ich möchte mich anstrahlen lassen vom Auge der
Welt, Lelio.«
    »Ich glaub' es, teure Signora.«
    »Nun sagt man aber, dass die katholischen Priester sich in alle persönlichen
Verhältnisse zu mischen und sich um alles Mögliche und Unmögliche zu bekümmern
suchen. Davon kann denn natürlich bei mir keine Rede sein. Dem Hofmeister bin
ich entwachsen und meine weltlichen Angelegenheiten besorge ich allein. Sie
wissen ja, wie ich durch mein Schicksal dem meine Neigung entsprach, selbständig
geworden bin. Den überweltlichen Geist, der in der katholischen Kirche lebt,
wünsche ich kennen zu lernen, aber keineswegs den vormundschaftlichen
Bestrebungen ihrer Priester ausgesetzt zu werden.«
    »Sein Sie unbesorgt, Signora,« entgegnete Lelio lachend, »mit dieser Bürde
wird sich keiner zu befrachten suchen. Was spricht denn aber Graf Orest zu Ihrem
Plan?«
    »Lieber wär' es
