 und ohne apostolischen Segen bleiben sollte. Jetzt hat sie den
besten Teil von uns allen bekommen.«
    »Wie gut ist Gott!« rief Korona gerührt; »mit welcher himmlischen Liebe
erfüllt er unsere Wünsche!«
    »Ja, die himmlischen!« sagte Hyazinth und froh beglückt setzten sie ihre
Spazierfahrt fort. -
    In Judits Wagen herrschte nicht dieselbe freudige Stimmung. Florentins
Groll äußerte sich durch finsteres Schweigen. Er hatte die Windecker Gruppe aus
der Ferne wohl bemerkt und genau beobachtet, und ihr einfach demütiges Benehmen
bildete einen so schlagenden Gegensatz zu seinem grimmigen Hass, dass ihm sein
ganzes Herz davon durchstachelt wurde. Die Gesinnung, die sich in jenem Benehmen
aussprach, griff ihn absichtslos in seinem innersten Selbst, in allem, was er
liebte und erstrebte, an und deshalb empfand er ein Weh, als sei ihm eine
schwere persönliche Kränkung absichtlich zugefügt. Dies merkwürdige, wenn auch
geläugnete innere Bewusstsein der Bosheit, des Unglaubens, der Sünde und
überhaupt aller Laster, dass sie durch das bloße Dasein der Tugend, der
Gottesfurcht, des heiligen Wandels, der himmlischen Gesinnung - gleichsam
verurteilt und gebrandmarkt sind, beweist, welche ungeheuere Macht die Tugend
ausübt, wie unausrottbar die Stimme des Gewissens in der Menschenbrust ist und
erklärt die Wut, mit welcher das Böse, wenn es in den Weltgeschicken die
Oberhand gewinnt, sich an die Vernichtung des Guten macht. Es kommt aber nicht
weiter, als dass es einzelne Träger des Guten vernichtet; denn das Prinzip des
Guten ist in Gott, und somit in Sicherheit gestellt vor Dolch, Stilet und
Guillotine.
    Lelio hing seinen Gedanken nach und verfolgte die labyrintischen
Höhlengänge, mit denen der Geist einer von Gott abgefallenen Menschheit nun
schon seit mancher Generation die allgemeine Vergesellschaftung unterminiert
hat; diese Krater, in denen alle Lava zügelloser Leidenschaften, welche
göttlichem Gesetz und heiliger Ordnung den Gehorsam aufgesagt haben, brodelt und
gährt; diese Vulkane, die finstere Rauchwolken und schädliche Dämpfe aushauchen
und durch diese Vorboten schon genugsam die Gesellschaft bedrohen - bis irgend
ein unerwartetes Ereignis sie schüttelt und die Feuerströme aus ihrer Tiefe auf
die Oberfläche bringt und verheerend ergießt. Er dachte, dass die Lava, die dort
kocht, und die Asche, die sich dort absetzt, in ihrem Ausbruch manch Herkulanum
zerstören, manch Pompeji verschütten werde, sei es in einzelnen Seelen, sei es
in den Massen, im Leben des Glaubens wie in den äußeren Verhältnissen. Er
dachte, dass auch er seinen Anteil zu dieser unsichtbaren Höllenmaschine
beigetragen habe, dass auch er von der fixen Idee des Satans, nichts Höheres über
sich anerkennen zu wollen - behaftet gewesen sei, und unwillkürlich drückte er
mit einer Gebärde voll namenlosem Schmerz seine gefalteten Hände vor die Stirn.
    »Was fehlt Ihnen, Lelio
