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    Sie fuhr eines Tages mit Madame Miranes, Lelio und Florentin zum Grabe der
Cäcilia Metella - dieser Frau, welche das seltsame Schicksal hat, dass ihr Name
und ihr Grabmal durch die Jahrtausende gehen, ohne dass man irgend etwas von ihr
selbst weiß.
    »Und dann ist man noch stolz auf seine Berühmteit!« rief Judit. »Und dann
freut man sich des Gedankens, dass die Nachwelt unsere Namen aufbewahren werde!
Eine gänzlich unbekannte Frau genießt diese Ehre in weit höherem Grade, als sie
unsereinem je zu teil wird, nur weil ihr Name, in eine Marmortafel geschnitten,
ihr Grab anzeigt und weil dies Grab eine Art von festem Turm ist, der den
Jahrtausenden trotzt. Rom kühlt ungemein gegen den Durst nach irdischer
Unsterblichkeit ab. Man sieht hier so recht, wie die verschiedenen Epochen in
der Geschichte auf einander folgen, wie eine jede ihre Größen hat und wie sie
alle nach und nach untergehen. Rom ist ein ächtes elysisches Gefilde im Sinn des
Altertums: eine Schattenwelt! und ist melancholisch, wie eine solche sein muss.«
    »Ist es nicht recht eigentümlich,« sagte Lelio, »dass gleichsam ein
verlorener Ton aus uralter Offenbarung in die Fabelwelt sich versenkt hat und
einen leisen Anklang der großartigen Harmonie angibt, die im Christentum zur
vollen Erhabenheit sich entfaltet? Die christliche Lehre vom Dasein nach dem
Tode - im Himmel für die Heiligen, in der Hölle - für die Verlorenen, im
Purgatorium für die, welche dereinst in den Himmel übergehen werden, findet
sich, gleichsam durch einen Hohlspiegel verzerrt, in der griechischen Fabel vom
Olymp, vom Orkus und von den elysischen Gefilden.«
    »Der Hohlspiegel ist die Sinnlichkeit, in welche die Griechen versunken
waren,« sagte Judit. »Die verzerrt alles Große! die Schönheit wird weichlich,
die Kraft brutal und ich habe nie begreifen können, wie vernünftige Menschen
unserer Tage für die griechische Götterlehre und für das griechische Kunstideal
schwärmen konnten. Das Technische der Kunst, die Vollendung und Harmonie der
Form, die Behandlung des Materials ist unvergleichlich; aber ein Herkules als
Ideal der Kraft, oder eine Venus als Ideal der Schönheit genügen mir nicht.«
    »Sie stellen das Menschliche idealisiert dar,« sagte Florentin. »Was
verlangen Sie denn noch mehr, Signora?«
    »Dass sich Göttliches in ihnen darstelle.«
    »Mit der Anforderung geraten Sie abermals in eine Fabelwelt.«
    »Oder in die christliche Kunst,« ergänzte Lelio.
    Wie ein guter und ein böser Geist standen diese beiden Menschen beständig
neben Judit und jeder redete zu ihr in seiner Sprache und suchte sie zu
gewinnen für das Reich, das er vertrat. Aber um jeden Menschen, wenn auch nicht
in so ausgeprägten Gestalten
