 Geschrei der Priester! dies Geschnatter der
Betschwestern, die sich ihre letzten drei Haare ausreißen werden! Ah, denen
gönn' ich besonders diesen Schlag.«
    »Judit hat einen großen Widerwillen gegen den Protestantismus,« bemerkte
Orest.
    »Judit ist stolz und tief ungläubig,« entgegnete Florentin. »Welcher
Religionsgesellschaft sie sich zuwenden möge - es ist für sie eine Sache der
Form. Es liegt ein gewisser Schmelz auf der katholischen Kunst und dem
katholischen Gemütsleben, das ihre Phantasie anspricht; aber sie beugt ihren
Geist vor keinem fremden und deshalb ist es ziemlich gleichgültig, ob sie auf
katholische oder protestantische Weise die Zeremonie der Taufe durchmacht. Ist
sie einmal Gräfin Windeck, so hoffe ich noch viel von ihr und von Dir. Bis dahin
verfolgt Ihr beide ganz selbstsüchtig eure persönlichen Bestrebungen und es ist
nichts mit euch anzufangen.«
    »Seid ihr denn noch immer damit beschäftigt, die euren zu verfolgen und die
Welt zu revolutionieren?« fragte Orest.
    »Bedarf sie es etwa nicht?« rief Florentin. »Sitzt hier nicht der Papst im
Regiment, als ob das ewig dauern sollte?«
    »Ich bekümmere mich ja wenig um diese Angelegenheiten,« erwiderte Orest,
»aber ich höre von Männern, die im Stande sind, es gründlich wissen zu können,
weil sie sich um die Tatsachen bekümmern, dass dies Regiment nichts weniger als
schlecht sein soll; dass man Reformen beginnt, Freiheiten gibt, auf Neuerungen
eingeht wie überall, und dass die Staatsschulden und die Abgaben geringer sind,
als irgendwo.«
    »Und wenn die Zustände paradiesisch wären - sie taugten doch nichts! ja, sie
taugten gerade dann am wenigsten, denn durch sie würde sich ja das päpstliche
Regiment rehabilitieren - und es soll untergehen,« rief Florentin; »durchaus
untergehen! Das Haupt der katholischen Kirche ist das Haupt der gegenwärtigen
Weltordnung, denn es stellt eine moralische Macht ohnegleichen dar, eine Macht,
die Fürsten und Völker miteinander und mit diesem Oberhaupt der Kirche
verbindet. Drum ist es die Zielscheibe unserer Bestrebungen. Verbesserungen,
Freiheiten, Reformen, Erleichterungen - wir wollen sie nicht; denn wir wollen
nicht die Hand, die sie erteilt.«
    »Ihr seid wahnwitzig!« rief Orest; »Ihr verabscheut die Herrschaft eines
Lammes und sehnt Euch nach der Herrschaft von Tigern.«
    »Und Du wirst das noch ganz in der Ordnung finden, wenn Du etwas logisch
denken willst,« entgegnete Florentin hohnlachend. »Tust Du nicht dasselbe? nur
in enger egoistischer Sphäre und nach kleinem Masse. Korona - ist sie nicht ein
Lamm? duldend, friedfertig, lieblich, zur Erfüllung jedes Wunsches bereit. Was
helfen ihr die Tugenden und Gaben! Du liebst sie nicht, Du
