 den Irvingianern, den
Anabaptisten? bist Du der geschworene Anhänger irgend einer Landeskirche? oder
wie oder was?«
    Florentin antwortete mit verächtlichem Achselzucken:
    »Der große Wilhelm von Oranien sagte: Ich weiß nicht, ob die
Prädestinationslehre grau oder blau ist. Aber ich weiß, dass Oldenbarneveldt's
Kopf und der meine nicht unter einen Hut gehen. Der Kampf für und wider diese
Lehre, in den sich natürlich politische Meinungen und Interessen verwebten,
zerriss damals Holland in zwei wütende Parteien und Oranien war der Führer der
einen, nicht um die Prädestinationslehre siegen - sondern um Oldenbarneveldt um
einen Kopf kürzer zu machen. Schlaue Politiker und sonstige kluge Köpfe haben es
immer als etwas höchst gleichgültiges betrachtet, ob die religiösen Lehren grau
oder blau sind; sie haben sie benutzt für ihre Zwecke. Und so mache ich es auch,
obschon ich nichts weniger als ein kluger Politiker bin. Aber das ist ja
handgreiflich klar: religiöse Lehren und Ideen sollen in irgend einer Weise den
Menschen beglücken. Tun sie das nicht, so haben sie weder Sinn noch Zweck. Der
Mensch besitzt seine Vernunft, um zu erkennen, ob sie zu seinem Glück beitragen
oder nicht - und seinen freien Willen, um andere Lehren aufzusuchen und
anzunehmen, welche mit seinen Glücksbedürfnissen in Einklang sind.«
    »Hyazinth würde sagen,« warf Orest ein, »das sei kein Akt des freien -
sondern des von Gelüsten und Begierden geknechteten Willens.«
    »Sophistik! Priesterart!« rief Florentin. »Hyazinth haben wir hinter uns!
der Wille ist frei, wenn er wählen kann nach seiner Lust: das versteht jedes
Kind; aber der Priester verdreht die Auslegung. Genug! dass kein denkender
Mensch, wenn er zugleich aufrichtig und unegoistisch ist, im Protestantismus
sitzen bleibt, das ist so gewiss, wie zweimal zwei - vier ist. Dass der
Protestantismus noch immer als Landeskirche oder Bekenntnis, oder wie man das
Ding nennen soll! existiert - beweist, wie selten jene drei Eigenschaften in
einem und demselben Menschen vereinigt sind. Hingegen als Sauerteig in der
politischen Welt, und als ein getreuer Eckart der Revolution gegen Tiare und
Krone - da wird er bestehen, so lange diese zu bekämpfen sind. Das ist seine
Glorie - und darum lieb' ich ihn. Seine Sekten verachte ich; und wenn ich Dir
rate, Dich an eine derselben zu schließen, so geschieht das nur, um Dich von Rom
abzulösen und in der Hoffnung, dass Du vom Protestantismus nach und nach zu
irgend einem anderen - ismus fortschreiten werdest, denn er ist mit ihnen allen
verwandt. Auch macht es mir Vergnügen, mir den Schreck vorzustellen, den die
aristokratische ultramontane Partei in der Heimat wegen Deines sogenannten
Abfalles bekommen wird. Dies
