 dadurch, wenn nicht Einfluss auf ihn, doch vielleicht sein
Vertrauen zu gewinnen. Als Orest sich bald darauf bei den Seinen einfand,
übersah Hyazinth gänzlich dessen Verstimmung und äußerte nicht das leiseste
Zeichen von Erstaunen über das Auffallende in seinem Benehmen und in der ganzen
Art und Weise, wie er den Zuschnitt seines Lebens gemacht hatte. Er ließ ihn
gewähren und bot sich ganz ungesucht zu Korona's Begleitung an, um die
zahlreichen Kirchen zu besuchen, in welchen wahre Schätze von Gemälden, von
Fresken, von Bildhauerarbeit, von köstlichem Material, von Kunst- und von
heiligen Gegenständen aufgehäuft sind - während Orest mit der ernstaftesten
Miene von der Welt die Behauptung aussprach: er könne die Kirchenluft nicht
vertragen. Sie sei dumpf, feucht, beklommen, durchräuchert - kurz, sie mache ihn
nervös.
    »In der Beziehung halte ich mich zu Dir, Orest,« sagte Graf Damian, der
inzwischen von seinen Besuchen heimgekehrt war. »Ich glaube, man kann hier ganz
angenehm im diplomatischen Kreise leben, in welchem sich auch immer einige
ausgezeichnete Fremde vorfinden, ohne die ermüdende Unterhaltung aufzusuchen,
die mit der Besichtigung so vieler Merkwürdigkeiten verbunden ist. Die
Hauptkirchen, die Hauptruinen, die Hauptpaläste und basta - für mich. Sehr
unterhaltend ist es in der Stadt selbst sich umzusehen; da hat man merkwürdige
Überraschungen! Ein Platz ist ganz übersäet mit abgebrochenen, umgestürzten,
verstümmelten Säulen, die wie ein Kegelspiel aussehen, welches von Riesen
aufgerichtet und verlassen worden wäre. Zwischen ihnen erhebt sich eine
prächtige, mit Bildwerken bedeckte himmelhohe Säule. Trajans Forum - nannte es
der Lohndiener. Ein anderer Platz sieht aus, als wäre er unter Wasser gesetzt,
so enorm und zu ebener Erde ist das Bassin, an welchem die Tritonen so ungeniert
sitzen, als würden sie sich nächstens aus ihrer Versteinerung aufmachen und auch
ihr Wort mitreden zwischen den übrigen Leuten, die da zirkulieren. Fontana de
Trevi, nannte es der Lohndiener. Solche Wassermasse in einem Springbrunnen ist
großartig. Und der Venetianische Palast - welch' ein herrliches Gebäude! halb
Kastell, halb Schloss - ein Adlerhorst! ich freue mich, dass Österreichs Adler
drin horstet! Die österreichische Botschaft ist drin, sagte er erläuternd zu
Korona, die sich an seinem Interesse für Rom erfreute. Ich habe doch wahrlich
die größten Hauptstädte Europa's gesehen und abermals gesehen und lasse mich
daher nicht so ganz leicht durch Häuser und Straßen und was drum und dran hängt,
verblüffen; aber in diesem Rom komm' ich mir vor, wie ein Krähwinkler in der
Residenz. Er sperrt Mund und Augen auf über die ungeahnte Herrlichkeit. Und das
tue ich redlich. In anderen Städten gibt's auch Herrlichkeiten an schönen
Gebäuden, öffentlichen Plätzen und dgl
