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    »Ich sage, lieber Damian,« erwiderte Kunigunde mit bebender Stimme, »dass ich
auf Deine Zustimmung zähle und das Kind nicht hergebe. Dir hat Gratian seine
Söhne anvertraut und ich habe sie von Walburg geerbt. Sie sind auch ein
Fideikommis, ein viel kostbareres als alle Güter der Welt - und ich denke, wir
vertauschen sie nicht gegen Stamberg - nicht alle und nicht einen.«
    »Kind, es handelt sich um eine Rente von mindestens fünfzigtausend Gulden.
Die wirft man nicht fort wie eine Einladungskarte, welcher man nicht Folge
leisten will. Die erste Jugend des kleinen Orest wird nicht sehr munter sein;
aber im späteren Leben kann er das ja leicht nachholen und ganz andere Freuden
genießen, als die unbedeutenden der Kindheit. Weigern wir uns aber, nimmt die
Mama unsere Weigerung übel, macht sie ein Fideikommis zu Gunsten der Stambergs,
und Orest erfährt dermaleinst, dass er durch unsere verkehrte Zärtlichkeit es
verloren hat, wird er uns dann keine Vorwürfe machen? und haben wir sie nicht
verdient?«
    »Lieber Damian,« erwiderte Kunigunde, »es ist eine von Deinen glänzenden
Eigenschaften, dass Du als ein echter Aristokrat sehr großmütig in Bezug auf Geld
und Gut bist. Das hast Du bewiesen, als Du ein ganz unbemitteltes Mädchen zur
Frau nahmst, und als Du die Existenz Deines Bruders und seiner Familie nicht
einige Wochen oder Monate, sondern acht Jahre hindurch eben so behaglich
machtest, wie die Deine es ist, und als Du ihm auf dem Sterbebette versprachst,
seinen Söhnen Vater zu sein, und bei tausend anderen Gelegenheiten.«
    »Das ist richtig! aus dem Mammon mache ich meinen Götzen nicht,« sagte
Damian, mit heimlichem Wohlgefallen das Lob seiner Tugenden einschlürfend, was
ihm hoffentlich nur diejenigen übel nehmen werden, welche über diese Schwäche
erhaben sind. »Aber, Kunigunde, es handelt sich hier nicht um mich und mein
Vermögen, sondern um ein prächtiges Fideikommis für Orestes.«
    »Würdest Du Regina zur Mama geben, wenn sie deren Erbin sein sollte?«
    »Nicht um die Welt!« rief Damian; »nein, mein einziges Kind geb' ich nicht
her.«
    »Von dem Augenblick an, da Du Deinem Bruder versprachst, seinen Söhnen Vater
zu sein, hattest Du vier Kinder,« sagte Kunigunde, »und ich sehe nicht ein, wie
Du mit gutem Gewissen für einen der Knaben tun magst, was Du um keinen Preis für
Deine Tochter tätest. Der arme kleine Orest ist unglücklich genug, Vater und
Mutter verloren zu haben; o trenne ihn wenigstens nicht von uns und seinen
Geschwistern.«
    Damian hatte sich inzwischen von Kunigundens Schmeichelworten erholt und
sagte: »Dir ist nicht zu trauen,
