 sie so edel, dass sie mit Geld und Gut und irgend einem
Besitz von geschaffenen Dingen sich nicht vertragen! so geistig, dass sie die
innerste Freiheit von jeder Kreatur, die Trennung von dem Liebsten auf Erden,
die Losschälung der feinsten Bande von Fleisch und Blut begehren; so erhaben,
dass sie mit den gewöhnlichen Wegen der Menschen nichts zu schaffen haben und nur
den Weg gehen, den sie vom Jesukind gelernt haben gehorsam bis zum Tode am
Kreuz. Uriel! ein einziger Mensch, der in der Vollkommenheit nach den
evangelischen Räten lebt - und aus ihnen drei Nägel macht, mit denen er sich an
das Kreuz des Herrn heftet, überwiegt weit alle Größe aller Menschen zusammen
genommen, welche die Welt groß nennt; denn der himmlische, nach Christus
gebildete Mensch ist größer in ihm. Und davor grauet Dir? und das flösst Dir
Entsetzen ein? Ach, Uriel! ich will Dir sagen, woher das kommt: Du denkst nicht
an die Menschwerdung Gottes, an dieses süße, liebeselige Geheimnis, welches die
Kirche jetzt im Advent andächtig betrachtet und welches gleichsam der
immerblühende Rosenstrauch ist, aus dem sich fort und fort alle anderen heiligen
Glaubensgeheimnisse wie göttliche Rosen entwickeln. Dem Gottessohn, der sich
liebebesiegt durch unser Elend, zum Sohn der seligsten Jungfrau macht, und als
das gebenedeite Jesukindchen zu Bethlehem auf unserer armen Erde erscheint: dem
müssen wir zuerst, zum gerührten Dank für eine so göttliche Liebe, unser Herz
schenken - und ist das geschehen, ach! wie weiß er es dann festzuhalten, und
wieder zu gewinnen, und sich darum zu bewerben, und es an sich zu ziehen, und es
zu berauschen mit seinen Myrrhen und seinem Blut, so dass sich das Herz endlich
auch liebebesiegt ihm anschmiegt und dann sein Genügen hat - für die Ewigkeit.«
    »Dazu muss das Herz besonders begnadet sein, Regina!« wendete Uriel ein.
    Das Herz bildet sich allmälig um nach seiner Liebe; das ist deren Gesetz, so
mächtig ist sie. Liebt der Mensch irdisches Gut, so wird er irdisch. Liebt er
gemeine Genüsse, so wird er gemein. Liebt er Schlechtes an Menschen und Dingen,
so verschlechtert er sich und wird mehr und mehr unfähig zum Guten. Liebt er
Gott, so vergöttlicht er sich, so geht aus dem trauten und beständigen Umgang
mit dem unendlich Schönen und Guten auch etwas Gutes und Schönes in seine
Gedanken, Gefühle, Bestrebungen und Handlungen über. Je besser das Herz wird, um
so mehr liebt es Gott, und je mehr es ihn liebt, desto größere Gnaden empfängt
es. Er ist ein Herr von unendlicher Milde und Großmut und kommt der leisesten
Liebesregung zärtlich entgegen.«
    »Dennoch, Regina, muss das Herz
