 die hinter sich, so wird er vernünftig; der eine früher, der
andere später.«
    »Aber er macht diese Erfahrungen gewöhnlich auf Kosten seines besseren
Selbst und zahlt für Niedriges den höchsten Preis.«
    »Das Paradies für einen Apfel - allerdings, das kann geschehen,« sagte
Damian höchst gleichmütig. »Diesen Weg hat der Schöpfer von Adams Zeiten an dem
Menschen zugewiesen.«
    »Der Mensch hat freiwillig den Weg des Abfalls eingeschlagen,« rief
Kunigunde lebhaft, »und für das Paradies, das er aufgab, hat der barmherzige
Gott ihm die Anwartschaft auf den Himmel gegeben. Die Welt nun, die es ihm so
leicht macht, das Paradies zu verlieren, was tut sie, um ihn an seine
himmlischen Ansprüche zu erinnern?«
    »Nichts, mein Kind, gar nichts! ist auch nicht nötig! Man hat ja Grundsätze,
die freilich zuweilen etwas wackeln, aber mit der Zeit sich befestigen. Die
Karriere, in die man tritt, die vortreffliche Frau, die man heiratet, tun denn
auch das Ihre; und so wimmelt die Welt von klugen, rechtschaffenen, gebildeten,
tüchtigen Männern, zu denen unsere Buben ohne Zweifel gehören werden.«
    Kunigunde lächelte traurig und suchte Trost bei Levin. Auch er sagte: »Seien
Sie nicht so zaghaft, Kind!« aber aus anderen Gründen als Damian. »Statt vor der
Zukunft der Knaben zu bangen, benutzen Sie die Gegenwart, um auf dem Wege der
Tugend so fortzuschreiten, dass Sie Ihren Kindern ein liebliches, leuchtendes,
unvergessliches Vorbild der Gottesliebe und der christlichen Vollkommenheit
werden. Daran scheitert manch Blendwerk der Welt.«
    »Aber meine Missgriffe, mein Mangel an Einsicht, meine Schwäche, wie viel
Schaden können sie stiften trotz all' meinem guten Willen.«
    »Dem menschlichen Tun wohnt Gebrechlichkeit inne, und wir alle lassen es an
Missgriffen, auch bei unseren teuersten Angelegenheiten, nicht fehlen. Fassen wir
aber immer wieder und wieder die Richtung auf die Ehre Gottes und das Heil der
Seelen in's Auge, so wird Gott, für den wir das Beste zu tun suchen, ohne
Zweifel viel Besseres für uns tun und den Folgen unserer Missgriffe Schranken
setzen.«
    Damian, der einmal solchem Gespräch beigewohnt hatte, sagte später zu
Kunigunde:
    »Es ist recht seltsam, dass Onkel Levin immer so spricht, als ob die
Vorsehung von unserem Tun und Treiben spezielle Notiz nähme.«
    »Lieber Damian,« antwortete Kunigunde lächelnd, »ob die Vorsehung das tut,
weiß ich freilich nicht. Aber Gott tut es: darauf verlass Dich. Warum sollte er
sich die Mühe genommen haben, jedes Haar auf Deinem Haupte zu zählen, wie wir es
lesen in heiliger Schrift
