!« sagte er seufzend.
    »Wie kommst denn Du zu unserem Karmel?« fiel sie ein.
    »Ich möchte von Dir wissen, ob Du glücklich bist,« entgegnete er. »Du wirst
es bejahen; das weiß ich! Hat der Mensch sich ein ungewöhnliches Schicksal mit
freiem Willen bereitet, so ist er oft zu stolz, um später zu gestehen, dass es
mit seinem geträumten Glück kaum mittelmäßig beschaffen sei. Darum bitte ich
Dich, mir zu sagen, warum oder wodurch Du glücklich bist; das gibt mir
vielleicht einen richtigeren Maßstab, und ich werde Dein Leben besser
verstehen.«
    »Ich bin glücklich, weil ich das höchste Gut liebe und gemäß dem Drang
dieser Liebe leben darf.«
    »Und wohin drängt diese Liebe Dich?«
    »Zum Opfer, Uriel. Ich bin glücklich, weil ich mich in jedem Augenblick und
mit jedem Atemzug in gottgefälliger Weise der göttlichen Liebe opfern kann.«
    »Woher weißt Du, dass sie gottgefällig ist?«
    »Weil sie auf den evangelischen Räten beruht, welche durch die drei Gelübde
besiegelt werden. Das ist die höchste Gnade, welche dem Menschen zu Teil werden
kann. Wie gern folgt man nicht in weltlichen Verhältnissen dem Wunsch, dem Wink
eines geliebten Wesens, ohne im mindesten zu betrachten, ob sich eine solche
Folgsamkeit rechtfertigen lasse vor der Vernunft und der Wahrheit und ob man sie
nicht dereinst bereuen werde. Wir aber sind sicher vor solcher Täuschung. Wir
folgen einem Wink, der so zart ist, dass Millionen ihn nicht verstehen, und
wissen dennoch, dass wir keinem selbstgeschaffenen Wolkengebilde folgen, denn der
menschgewordene Gott Selbst winkt uns zur Nachfolge.«
    »Und worin besteht diese Nachfolge?«
    »Im Leiden aus Liebe.«
    »Leidest auch Du, Regina?«
    »Wer die drei Gelübde abgelegt hat und treu zu erfüllen sucht, ist gleichsam
durch die drei Nägel Jesu mit ihm an das Kreuz geheftet, denn Armut, Entsagung
und Gehorsam allzeit geübt, kreuzigen den natürlichen Menschen auch allzeit. Das
tut freilich weh, aber dem göttlichen Heiland haben auch die Nägel weh getan,
als er an ihnen in seinen Wunden hing.«
    »Wie fängst Du es aber an, um dies Bild so fest Dir einzuprägen, dass es Dein
Vorbild wird?«
    »Man denkt an ihn.«
    Uriel hätte fast gelächelt über diese Antwort.
    »Darin liegt eben das Schwierige,« sagte er.
    »In der bunten, lauten, zerstreuenden Welt - ja!« antwortete Regina. »Da hat
man weder Zeit noch Lust noch Aufforderung, anders als ruck- und stossweise an
den göttlichen Geliebten zu denken - wenn's überhaupt geschieht! Aber für uns
heißt es:
