 von den ihren ein weniges von diesen Dornen und
Myrrhen genossen, um die Wissenschaft zu fördern, oder aus ehrgeiziger Neugier,
oder um ein Vermögen für die Seinen zu erwerben - ja, dann hat sie nicht Kränze
genug, nicht Lob und Bewunderung genug, um diese Verdienste zu krönen. Mögen es
Verdienste sein! ich taste sie nicht an. Von übernatürlicher Seelengrösse sind
sie jedoch weit entfernt. Solche Menschen dienen ihrem Ich, ihren
vorherrschenden Neigungen oder Talenten und somit auch der Welt; das schmeichelt
ihr. Der Missionär geht an ihr vorüber wie an sich selbst und dient einem
höheren Herrn; das nimmt sie übel. Sie will nichts von Höherem wissen, als von
sich selbst. Ich aber habe immer den Missionär beneidet, gerade weil er einem
höheren Herrn dient.«
    »Nun, lieber Uriel,« sagte Levin lächelnd, »ich hoffe, Du wirst ihm auch
noch einmal als Missionär dienen.«
    »Nein, lieber Onkel,« rief Uriel und stand lebhaft auf, »ich habe nicht die
mindeste Anlage zu solcher Seelengrösse und keine Neigung zu solchem
übernatürlichen Heldenmut.«
    »Die fremde Seelengrösse erkennen und bekennen, gleichviel in welcher
geringen Gestalt man sie antrifft, ist der erste Schritt, um sie zu erwerben.«
    »Aber um sie in einem so heroischen Grade zu üben,« rief Uriel, »dazu fehlt
mir die Lebendigkeit des Glaubens.«
    »Ganz richtig,« entgegnete Levin. »Du trägst Deinen Glauben in festen
Goldbarren mit Dir umher, so dass er Dir manchmal beinahe eine Last ist. Zur
Münze ausgeprägt, flüssig gemacht für den täglichen Gebrauch, für alle Umstände,
für alle Verhältnisse, in allen Nöten, wider alle Prüfungen - besitzest Du ihn
nicht. Er ist Dir noch ein toter Schatz.«
    »So ist's!« sagte Uriel trübe. »Er leuchtet mir vor, aber er leuchtet nicht
in mir. Meine Vernunft folgt allen Lehren der Offenbarung, die so fein und so
logisch ausgezweigt sind, dass es ein Genuss für meinen Verstand und eine
willkommene Übung für meinen Scharfsinn ist, ihnen nachzugehen. Und dennoch ist
mein Herz nicht ergriffen; dennoch ist eine geheimnisvolle Scheidewand zwischen
mir und Gott.«
    »Das kann auch gar nicht anders sein,« entgegnete Levin. »Du hast die
Weltteile durchpilgert und die Ozeane durchmessen und draußen das Etwas gesucht,
mit menschlichen Kräften und menschlichen Mitteln gesucht, was größer sei, als
Dein Herz - wie Du damals bei Deiner Abreise sagtest - das Etwas, welches Dir
eine dauernde Befriedigung geben könnte; und hast es nicht gefunden und konntest
es nicht finden. Denn die Schöpfung, dies wundervolle Werk Gottes, steht unter
dem Gotteswerk der Erlösung. Dieser
