 gegenseitiges Vertrauen, sind
ohne Wahrheit, stehen im Kreise jener Radien ohne Zentrum. Alle fühlen es, jeder
weiß es von sich selbst und von dem anderen, und keiner will es sich merken
lassen. Daher wird denn jetzt eine Komödie aufgeführt, die in der Welt umsonst
ihres Gleichen sucht - eine Komödie, an der Europa untergeht; die Komödie vom
Fortschritt. Ich kann sie nicht mitspielen! ich kann und kann nicht für und
durch die Lüge leben und sterben! Schau' auf das Völkerleben, ob je so große
Worte im Schwange waren, und so wenig - ja, das Gegenteil, hinter ihnen steckte!
Freilich, das große Wort führen die großen Herren in den Kammern, die, in
Parteien geteilt, herrliche Reden halten über alles Gute und Vortreffliche - die
einen, was sie bereits tun, die anderen, was sie tun wollen. Da grünt und blüht
Friede und Gerechtigkeit, Bildung und Betriebsamkeit; da geht alles am
Schnürchen, von der Dorfschule bis zum Staatshaushalt. Aber schau' auf den
gemeinen Mann, wie ihm die Schuldenlast des Staates, die man dessen Reichtum zu
nennen beliebt, seine paar Pfennige abquält, die er im Schweiß seines
Angesichtes mühselig verdient hat und gern sparen möchte für schlimme Zeit oder
seine alten Tage. Wie er, während die großen Herren in Papieren spekulieren und
mit einem Bankerott so leicht fertig werden, als mit einer Flasche Champagner,
und endlich denn doch den geliebten Mammon erschwindeln - wie er an diesen
Eisenbahnen, an diesen Fabriken, die den Spekulanten, den Besitzer mit Gold
mästen, seine Gesundheit opfern, sein Leben wagen muss für geringen Tagelohn, der
für die knappsten Bedürfnisse nicht ausreicht; wie er seine Kinder in die
Fabriken schicken muss, wo sie entarten an Leib und Seele, aber dafür doch einige
Kreuzer heimbringen und ihre armselige Existenz fristen helfen; wie er dabei
beständig zittert vor Stockung im Handel und Wandel, vor Krankheit, vor
Herabdrücken des Arbeit- oder Tagelohnes, vor Erhöhung der Preise der
gewöhnlichen Lebensbedürfnisse. Schau' ihn an, wie er marklos wird vom
unausgesetzten Kampf gegen die bitterste Not, die ihn täglich aus den hohlen
Augen von Weib und Kind, aus ihren Lumpen, von ihrem Strohlager, von ihrem
kalten Herde angrinst; wie er in leiblicher Schwäche und seelischer Ermattung
diese stumpfe Folter nicht mehr erträgt - und zum Branntwein greift, in
Ausschweifung hineintaumelt, die Arbeit hasst, Vernunft und gesundes Urteil
verliert und die ungeheuere Zahl der Betörten vermehrt, welche jetzt wähnen,
republikanische Verfassungen nach kommunistischen und sozialistischen Theorien
eingerichtet, oder ihnen sich nähernd, brächten das Heil der Welt. Die Arbeit in
der Wildnis ist schwer und rau und mehr als einer erliegt ihr. Aber die Arbeit
in unserer Zivilisation
