. Die Glaubensboten wurden Holzschläger, Ackersleute, Handwerker.
Sie rodeten Wälder aus, sie legten Sümpfe trocken, sie bebauten das Feld, sie
trieben Gartenbau, sie pflanzten den Weinstock; sie führten Kapellen und Kirchen
auf, daneben enge Räumlichkeiten zu ihrer Wohnung, und größere, um Kinder und
Jünglinge aufzunehmen, zu unterrichten und auszubilden. Sie wussten Männer
herbeizuziehen, von Jagd- und Kriegszügen abwendig zu machen und für das
gesittete Leben des Feldbaues und des Handwerkes zu gewinnen. Diese siedelten
sich auf den urbar gemachten Stätten rings um die Kirche an, bildeten Familien
und die Familien bildeten eine christliche Gemeinde; so entstanden Dörfer, dann
Städte. Das ging nicht schnell, das währte Jahrhunderte; aber Benedikts Schüler
waren nicht ungeduldig, denn sie wirkten nicht, um sich an ihren Erfolgen zu
freuen, sondern um das Werk Gottes unter den Menschen fortzusetzen: Pertransivit
benefaciendo. Eine ihrer Generationen starb nach der anderen, und eine
Generation übertrug die Fortsetzung dieses Werkes der anderen; sie lehrten und
lebten das Evangelium. Je wilder die Zeiten wurden, je trüber die Gährung
brodelte, die bei dem Untergang und der Neubildung großer Epochen die Menschheit
zerwühlt, je feindlicher äußere Stürme, Fehden, Kriege, barbarische Invasionen,
räuberische Einfälle die Keime der christlichen Kultur mit Untergang bedrohten,
und alle Bildung, alles geistige Leben in den Nöten und Drangsalen des
Augenblickes begruben, um so eifriger waren Benedikts Schüler, das Werk der
Finsternis zu hemmen und der Zerstörung des geistigen Lebens der Völker ein
Bollwerk zu setzen. Immer größer, zahlreicher, umfassender wurden ihre
Bildungsanstalten für die Jugend. Das zarte Knäblein fand bei ihnen die Pflege
der Mutterliebe; der wissbegierige Jüngling die Lehre der Wissenschaft; der
weltentfremdete Sinn die Meister in der erhabenen Ascese, der höchsten Blüte des
Menschengeistes. In ihrem gemeinschaftlichen Leben unter einem Dach, spärlich
genährt, einfach gekleidet, waren ihre persönlichen Bedürfnisse gering. Alle
Mittel, welche dem Notleidenden, dem Kranken, dem Reisenden, dem Pilger nicht
zuflossen, wurden darauf verwendet, Bibliotheken von Manuskripten anzulegen, und
diese zu erhalten, zu vervollständigen, abzuschreiben, mit unsäglicher Mühe zu
entziffern, bildete einen großen Zweig der Tätigkeit für diese demütigen Männer.
Sie verlangten nicht die armselige Ehre, ihren Namen auf ein Manuskript
verzeichnet zu sehen. Sie verlangten die Ehre Gottes, die durch alles gefördert
wird, was den Menschen in seiner Erziehung für ein übernatürliches Ziel - ich
meine für ein solches, das außerhalb der Grenzen dieses Erdballes liegt - bilden
hilft. So waren sie; so sind sie.«
    »Aber wer sind sie, diese Männer der großen Taten und der demütigen Herzen?«
rief Judit.
    »Es sind Männer, die heutzutage verachtet, verhöhnt, verfolgt, verleumdet,
angefeindet
