 für uns alle, immer
gedemütigt und immer tapfer, durch die furchtbare Schlacht des Lebens. Und wie
er sich hindurch gekämpft hatte, so kämpften ihm nach die großen Heiligen aller
Jahrhunderte, ein Basilius, ein Augustinus, ein Bernardus, ein Franziskus, ein
Alphonsus - diese Wundermenschen an Glauben, an Liebe, an Genie und an Demut.
Sie alle bauten sich keine Triumphbogen und schwangen nicht zuversichtlich ihre
Siegesbanner. Sie alle sprachen mit Paulus: Wenn ich schwach bin, dann bin ich
stark - um anzudeuten, dass sie im Gefühl ihrer Schwäche sich zu Gott wendeten
und von ihm Stärke empfingen. Sie alle gingen vorsichtig, gebeugt und wachsam
auf dem schmalen Wege und durch die enge Pforte, die zum Himmel führen. Nicht
auf ihren herrlichen natürlichen Gaben, und nicht auf ihrer frischen,
ungebrochenen, menschlichen Kraft ruhte das Gebäude ihrer Vollkommenheit,
sondern auf ihrer unüberwindlichen Demut. Sie suchten auch nicht den
selbstgefälligen Genuss ihrer eigenen Vollkommenheit in ihrer Hingebung an Gott.
Sie baten ihn nicht, ihr Herz auf einem Höhepunkt zu erhalten, der über dem
Niveau alles Menschlichen ist; sie baten ihn nur, ihr armes, elendes Herz nicht
zu verschmähen; es zu verbinden, wenn es wund; es zu reinigen, wenn es befleckt
wurde; es in Gnaden anzunehmen mit seinen Krankheiten und seinen Narben. Und wie
die großen Heiligen, so machen es Millionen von guten schlichten Kindern Gottes.
Willst Du es anders haben und anders machen, Regina? o, dann liefest Du Gefahr,
eine Tochter Lucifers zu werden.«
    Regina's Tränen waren versiegt und ihre schmerzliche Aufregung hatte sich
gestillt. Mit geschlossenen Augen saß sie ruhig da; sie blickte nach Innen.
Levin schaute mitleidig auf ihr schönes bleiches Antlitz, das noch von einem
Anhauch von Schmerz überschattet war und fragte liebreich:
    »Tue ich Dir weh, bestes Kind? soll ich schweigen?«
    »O sprich, lieber Onkel, sprich noch mehr zu mir!« sagte sie sanft und ohne
ihre Stellung zu verändern. »Deine Stimme klingt mir wie die, welche einst
sagte: Ich will ihm zeigen, was er um Meines Namens willen leiden soll.«
    »So heißt es auch in der Tat für jeden, der sich aus ganzem Herzen zu Gott
bekehrt; denn Welt und Fleisch und Blut, die ihm wahrlich seine Bekehrung nicht
eingegeben haben, fühlen, dass sie durch dieselbe zu kurz kommen, setzen sich zur
Wehr, verbinden sich mit der überall geschäftigen alten Schlange und rücken mit
einem Heer von Versuchungen in's Feld. In dem Masse, als diese bekämpft und
überwunden werden, vermehren sich die Siege, und je größer der Sieger, desto
glänzender seine Kronen. Willst Du keine Versuchungen
