 die Oper, überhaupt Theater.«
    »Ganz richtig! Etwas davon werd' auch ich in Augenschein nehmen. Aber die
Mädchen sind nicht dazu zu bewegen, d.h. Regina nicht. Korona allein hätte
vielleicht Lust dazu; aber ohne Regina tut sie es nicht und die geht nun einmal
nicht in's Theater.«
    »Originell das! Die ganze elegante und gebildete Welt strömt ja in's
Theater, kann ohne Loge so wenig existieren wie ohne Dach und Fach, hat nichts
zu sprechen und nichts zu denken, wenn sie kein Schauspiel zu sehen hat! Ich
spreche nicht von uns - denn das versteht sich von selbst; sondern auch von den
Damen. Was sagt sie denn eigentlich dagegen - diese sonderbare Regina?«
    »Sie sagt, alle Geistesmänner und Lehrer des innern Lebens erklärten
einstimmig den Teaterbesuch für gefährlich und verderblich, weil das Schauspiel
gefährliche Leidenschaften mit allem Zauber der Kunst und allem Blendwerk der
Phantasie ausstatte und darstelle.«
    »Da hat sie wahrhaftig ganz Recht! aber eben darin besteht der ungeheure
Reiz der Bühne: sie idealisiert dermaßen das Verbotene, dass es unwiderstehlich
erscheint.«
    
    »Solche Behauptung würde Regina Sünde nennen, und umsomehr bei ihrer
Weigerung beharren. Sie ist nun einmal aus ganz besonderem Stoff! Weil ein alter
Erzbischof, der Johannes Chrysostomus hieß und vor fünfzehnhundert Jahren in
Konstantinopel lebte, gesagt hat: das Schauspiel sei ein Überrest des
entsittlichten Heidentums und wütende Schaulust verrate heidnische Gesinnung; so
nimmt sie das auf, wie das Evangelium. Im Grunde hat sie Recht! Das Theater ist
nichts für junge Mädchen - nicht einmal die sogenannten klassischen Stücke, wie
z.B. Emilia Galotti. Regina würde es empörend für Vernunft und Herz finden, dass
sich die Heldin von ihrem Vater erdolchen lässt, um nicht in Liebesschlingen zu
geraten; und, beim Licht besehen, muss ich wieder sagen: sie hat Recht.«
    »Ja,« sagte Orest, »das ist mir nicht auffallend, denn Regina ist klug und
so kann sie wohl das Richtige leicht erkennen; dass sie aber nun auch felsenfest
danach handelt, während sie rings umher sieht, dass die ganze Welt es anders
macht - darüber muss ich staunen. In mir ist nun einmal die heidnische Gesinnung
stark entwickelt, nach der Ansicht des alten Johannes - wie hieß er weiter? und
ich bin ein rasender Liebhaber der Bühnenwelt, verspreche mir auch Brillantes
von ihr während einer Season in London.«
    »Sei versichert,« sagte der Graf, »dass ich Dich durchaus nicht in Deinem
Vergnügen stören werde.« -
    Und so war die Sache abgemacht; man ging im hohen heißen Sommer nach London,
wo der Graf in demjenigen Teil des Westendes,
