, blendender ist. Ein Fürstenkind bei den Karmelitessen oder
Klarissen versöhnt tausend Arme mit den Nöten ihres Daseins, denn sie sehen, dass
die irdische Größe sich gläubig und liebend in ein Dasein voll tausend Nöten
versenkt. Es ist eine wundersame und gar nicht genug geschätzte Gnade, welch ein
Segen auf dem guten Beispiel eines frommen Glaubens von oben herab liegt; es
wirkt heilsam in die weitesten Kreise! O wenn doch recht bald nach alter Sitte
aus jedem katholischen Fürstenhause zwei oder drei Töchter in ein Kloster
strengen Ordens treten wollten! An diese zwei bis drei Prinzessinnen - fuhr
Ernest zu Regina gewendet fort - würden sich dann zwei bis drei Dutzend
hochadelige Fräulein anschließen und diese wiederum zwei- bis dreihundert
Jungfrauen bürgerlichen Standes« ... -
    »Halt, Halt! Herr Ernest, Sie entvölkern die Welt!« rief die Baronin
ängstlich.
    »Ja, von Proletariern, gnädige Frau,« entgegnete er gelassen; »und das wäre
in der Tat äußerst wünschenswert, denn es gibt auch ein fürstliches und adeliges
Proletariat, seitdem man sich in diesen Regionen nicht mehr dem geistlichen und
dem Ordensstande widmet.«
    »Man nennt das aber nicht so!« bemerkte sie mit leisem Vorwurfe im Tone.
    »Ach, gnädige Baronin,« rief Ernest, und sah sie freundlich mit seinem
treuherzigen klugen Auge an; mir steckt der unverbesserliche Bauernbube im Blut,
so alt ich auch bin, und Sie werden immer große Verdienste sich zu sammeln haben
durch Ihre Nachsicht mit mir. Aber hier darf ich doch wahrlich ohne Scheu von
jenem Proletariat sprechen, das - man möge es so nennen oder nicht - leider in
der Welt ist; denn die Windecker sind davon unberührt. Hier haben wir den
hochwürdigen Herrn, und Graf Hyacint tritt in dessen Fusstapfen ein.«
    »Ja, die Liebe zum Leiden!« sagte Levin sinnend. »Diese himmlische Blüte
entsprosst dem Baum des Glaubens nur, wenn er in voller Kraft steht! Nur da, wo
er ganz tiefe Wurzeln in das Erdreich des Menschenherzens hineintreibt, wachsen
seine Äste so stark und so hoch hinauf, dass sie sich von den irdischen Stürmen
nicht mehr erschüttern lassen; und nur in dieser stillen Höhe entfaltet sich des
Christentums mystische Passionsblume, die zeitweise in früheren Jahrhunderten zu
so prachtvoller Entwicklung kam: die Liebe zum Leiden.«
    »Die ist allerdings heutzutage nicht Mode,« sagte Ernest; »im Gegenteil!
Jedermann hat eine entschiedene Liebe zum Nichtleiden in einem solchen Grade,
dass man sich gar keine Mühe mehr gibt, diese Übermacht des Erdgeistes in der
eigenen Brust zu bekämpfen. Und das ist sehr erklärlich! Man muss anbetend vor
dem Kreuze knien, um es liebend mit all seiner Herbe umfassen zu können. Aber
wovor
