 vermöge welcher es ihr so leicht
wurde, das geringe Volk für sich zu gewinnen und ungescheut Übergriffe in die
Rechte des Staates zu machen und ihren Obskurantismus zu verbreiten - während
nun hinter den Bollwerken der Bureaukratie der Staat geschirmt und gesichert für
ewige Zeiten war und die Aufklärung ihre Siege feierte! - Alle engen Herzen und
beschränkten Köpfe stießen in die Jubelposaune über solche Maßregeln von Seiten
der Regierungen. Aber siehe da! die Zuflüsse stockten! vor dem Rauschen der
Schreibfedern in ungeheueren Registern floh die verschüchterte Charitas, die an
den Verkehr mit armen Ordensbrüdern, stillen Nönnchen und einfachen Priestern
gewöhnt war, auf vertrautem Fuß mit ihnen lebte, sie als Verwalter und
Ausspender der Gaben Gottes kannte und deshalb keine ängstlich genaue
Rechnungsablage von ihnen begehrte. An die Stelle jener ungeheueren freiwilligen
Liebesgaben, welches das christliche Europa mit Anstalten der Barmherzigkeit
erfüllten, die im bedürftigen Nächsten Christus den Herrn sieht und ihn demgemäss
behandelt wissen will - trat der Staat mit seiner Verwaltung, seinen
Besoldungen, seiner Armentaxe, seiner Armensteuer, seinem Geschäftsgang, und
machte die leidenden Glieder Christi zu Objekten, für die man fast ebenso gut zu
sorgen habe, als dafür, dass keine Motten in die Montierungskammern kommen. Dies
fühlen die Armen sehr gut; es missfällt ihnen ungemein - was ihnen auch nicht zu
verdenken ist - und Dankbarkeit kann durch diese Sorte von Wohltätigkeit nicht
geweckt werden. Im Gegenteil! vom Staat erwartet jeder vor allem Gerechtigkeit.
Nimmt der Staat also die Sorge für die Armen in die Hand, so möge er doch -
folgern die Armen - etwas mehr für sie tun und sie nicht so kläglich
unterstützen, da es ihm ja doch nie, in ihren Augen, an Mitteln fehlt. In
ruhigen Zeiten lässt sich ihr Murren überhören als bedeutungslos; aber in
unruhigen kann sehr leicht ihr Missvergnügen benutzt und dem Staat gefährlich
werden. Er hat die Charitas unter Vormundschaft seiner Bureaukratie stellen
wollen - wie es hieß, zum Vorteil der Armen; jetzt tritt der grobe Kommunismus
auf und sucht zu beweisen, deren wahrer Vorteil beginne mit ihm, und da man
jetzt dem Fortschritt vor allem und in allem huldige und auf des Volkes Wohl
zuerst und zuletzt bedacht sei: so müsse man nunmehr dem Kommunismus huldigen.
Der Staat hat das uralte, heilige Recht der Kirche überflügelt zu Gunsten seiner
Omnipotenz: der Kommunismus überflügelt diese zu Gunsten der seinigen, die durch
einen furchtbaren Mechanismus im Gesamtgang des Lebens jede frische Blüte und
jede edle Kraft in demselben unterdrückt.«
    »Wie trostreich,« sagte Levin, »nimmt sich neben diesen, so ganz aus dem
Erdgeist hervorgegangenen Bestrebungen das Walten des heiligen Geistes in der
Kirche aus, der nichts untergehen lässt, was zum Leben in ewiger Wahrheit
berechtigt ist. Ein echter Ableger christlicher
