. Es wurde den
guten Leuten vorgestellt, er sei zu alt, um auf die neuen Zeiten eingehen zu
können; er hänge deshalb zu fest an den Vorurteilen, welche die Welt
beherrschten, halte zu viel auf die Vorrechte einiger und zu wenig auf die
Rechte aller - und könne daher für die Gegenwart kein guter Ratgeber sein. Die
Gegenwart habe nichts im Auge, als den Vorteil des Volkes. Es sei schwer, ja
kaum möglich, dass einer vom Adel, der noch dazu Priester, als zwiefach beteiligt
sei, das Volk in Unmündigkeit und Abhängigkeit zu erhalten, um es materiell und
geistig zu beherrschen, seine und seines Standes Vorrechte fallen lasse, und
sich aufrichtig mit dem Volk verbrüdere. Es möge sich also nicht blind leiten
lassen von irgend einem Herrn; denn ein solcher werde es immer und immer wieder
zur Ruhe, Ordnung, Gesetzlichkeit auffordern und somit um die Vorteile bringen,
die es eben jetzt durch entschiedene Forderungen sich erringen müsse. - Wer ist
taub gegen die Lockungen persönlicher Vorteile? und wem muss man leichter
verzeihen, wenn er es nicht ist, als dem gemeinen Mann, dessen mühseliges Leben
so arbeits- und sorgenvoll ist! Das Licht des Glaubens muss mit voller Klarheit
auf ein solches Leben fallen, und dessen Verdienste in der Vereinigung mit dem
verborgenen Leben recht hervorheben, welches der Sohn Gottes in der armen Hütte
des geringen Zimmermanns führte, um in solchen Verhältnissen gegen die
Vorspiegelungen von großen rechtmäßigen Vorteilen taub und blind zu machen.
Levin empfing sein volles Maß von Bitterkeit durch die Kälte und das Misstrauen,
die vielfach seiner warmen Treue begegneten; aber er ließ sich nicht erbittern!
Lebenslang hatte ja sein göttlicher Meister nichts so reichlich mit ihm geteilt,
als die Myrrhen. Je heftiger der Zorn des Grafen aufbrauste, wenn die neu
erfundenen »Grundrechte« eine Bresche nach der anderen in der Mauer des
historischen Rechtes und einen Raubzug nach dem anderen auf fremden Gebiet
machten, desto milder wurde Levin, so dass der Graf zuweilen auch ihm zürnte und
ihm vorwarf, im Bunde mit der Revolution zu sein. Aber er blieb ruhig bei seiner
Behauptung:
    »Das Volk ist betört, berauscht und irregeleitet durch das Geschrei der
falschen Freiheitspropheten, die ihm goldene Berge der Zukunft vorschwindeln.«
    »Aber diese Schwindelei bringt uns in Wirklichkeit um Hab und Gut,« rief der
Graf aufgeregt; »und was viel mehr ist, bringt uns um unser uraltes Recht, ja
sogar um unsere Ehre, indem wir gezwungen werden, die Erfindungen der
revolutionären Schreier als Gesetze gelten zu lassen - gezwungen durch offenbare
Feindseligkeit und Aufhetzerei des Volkes gegen uns, so dass man eines Tages, man
weiß nicht wie! den roten Hahn auf dem Dach hat. Ebenso gut
