 die Sache
umzukehren und um ohne Religion die bisher Geknechteten zu befreien und die
bisher Bevorzugten in Sklaverei zu bringen oder zu vertilgen. Das Hauptmittel
besteht immer darin, Thron und Kirche zu stürzen und Fürsten und Priester aus
der Welt zu schaffen. Das ist das letzte Wort aller geheimen Gesellschaften und
aller Revolutionen.
    Der in tausend Sekten zerfallene Protestantismus mit seinen letzten
erbärmlichen Ausläufern, den sogenannten Lichtfreunden, zu denen sich Freunde
desselben Lichtes, abgesetzte und abgefallene Priester der heiligen katholischen
Kirche voll Sympatie neigen, führen ihre Anhänger, die keine Befriedigung in
der dürren Öde und den ängstlichen Schwankungen der Sektiererei finden, und die
nicht um Rettung vor der Pforte der Gnade flehen, schnurstracks in die finsteren
Abgründe der geheimen Gesellschaften, bei denen sie das finden, was der Mensch
so sehr bedarf: Gemeinsamkeit, Vereinigung der Kräfte; aber zum Faktionsgeist,
diesem blinden und wilden Zerstörer aller Ordnung, aller Gesetzlichkeit, alles
Friedens, aller Freiheit, aller Kultur, der mehr als jeder Missstand die
gedeihliche Entwickelung der Staaten hemmt, indem er eine permanente
Widersetzlichkeit hervorruft und dadurch die Herrschaft gesetzlicher Ordnung
unmöglich macht. Die übernatürliche Einheit der Menschheit in Christus, welche
die katholische Kirche vermittelt und darstellt, wird von dem Faktionsgeist mit
blindem Grimm angefallen, wirklich verzerrt und dann wird diese Verzerrung mit
unerhörter Frechheit für eine wahre Gestalt ausgegeben, die kein vernünftiger
Mensch bezweifeln könne. Dann wird alles begeifert! Der großartige
Associationsgeist, der dem triebkräftigen Boden des Christentums entwächst,
durch die Kirche geheiligt wird und während anderthalb Jahrtausenden Wunder der
Sittigung, der Bildung, der harmonischen Entfaltung aller Kräfte, der
selbstständigen Bewegung auf allen Gebieten des Lebens geleistet hat und immer
und überall leistet, wo man ihm Spielraum gönnt - wird entweder als böser
Missbrauch gehässig gemacht, oder mit verächtlichem Achselzucken kurzweg
abgefertigt als: finsteres Mittelalter! oder man drückt seinen Formen irgend ein
beliebiges Brandmal auf. Das Ordenswesen befördert den Müßiggang, so wird
behauptet; die Bruderschaften verbindet der Aberglaube; das Zunftwesen raubt die
persönliche Freiheit: folglich sind es hassenswerte Institutionen, was zur
Genüge dadurch bezeugt wird, dass sie in der christlichen Kirche wurzeln, welche
die Anstifterin alles Unheils auf Erden ist.
    Bewiesen werden solche Behauptungen gar nicht: sie werden nur so lange und
so laut wiederholt, dass sie in jedes Ohr dröhnen. Laster und Missbräuche gab es
freilich zu allen Zeiten; Missetaten wurden in allen Epochen begangen; aber
zwischen den Frevlern in Tagen des Gaubens und des Unglaubens besteht sogar noch
ein ungeheuerer Unterschied zum Vorteil der Ersteren: sie haben nicht selten die
Kraft, ihre Missetaten durch Reue und Busse zu sühnen. Auf ihrer Seite stehen die
großen Bekehrungen, während sich auf der Seite des Unglaubens das Zeichen der
äußersten sittlichen Verkommenheit, der Selbstmord, grässlich häuft
