 Der Graf war gar nicht darüber
erzürnt, suchte die Baronin Isabella auf und folgte mit ihr seiner Tochter. Im
Wagen sagte er zu seiner Schwägerin:
    »Es war ein recht unheimlicher Abend! Haben Sie nichts gehört?«
    »Doch! schlimme Gerüchte von einer Revolution in Paris.«
    »Wobei das allerschlimmste, dass die Gerüchte wahr sind! Die Revolution ist
ausgebrochen, Louis Philipp hat seinen Bündel schnüren müssen, und wir wollen
dasselbe tun und unverzüglich nach Windeck zurückkehren. Die Herren von der
Diplomatie und von der Bank hatten die größte Mühe, ihre bedenklich verlängerten
Gesichter in den stereotypen, nichtssagenden Falten zu erhalten. Besonders der
Festgeber selbst, von dem man behauptet, auch er werde sein Bündelchen schnüren
müssen.«
    »Welche Kalamitäten verhängt doch dies beständig revolutionierende
Frankreich über die Welt, und wähnt sich im Fortschritt begriffen, während es
dem Abgrunde zutaumelt und andere mit hinabreisst!« seufzte die Baronin.
 
                                   Revolution
Die Nachrichten waren ganz richtig, und die revolutionäre Mine, welche am 24.
Februar 1848 in Paris Explosion machte, setzte nach und nach alle Minen voll
lange angesammeltem Zündstoff in ganz Europa in Feuer. Wie weit die Flamme um
sich greifen werde, wusste niemand, und noch viel weniger, wie sie zu löschen
sei. Die gesunde Vernunft ließ sich in einer Weise teils überrumpeln, teils
hinter das Licht führen, teils terrorisieren, die vielleicht ohne Beispiel in
der Weltgeschichte ist. Der Geist, der die Geschicke der Menschheit regiert,
ließ das zu, um warnend zu zeigen, wohin die Worte Fortschritt und Freiheit
führen, wenn man sie ihres wahren Sinnes, ihres Zusammenhanges mit dem
Christentum beraubt und die edelsten und heiligsten Aspirationen des
Menschenherzens, zu denen die Sehnsucht nach Freiheit und das Streben nach
Fortschritt gehören, durch materialistische Auffassung und egoistische Deutung
verfälscht und missbraucht. Die wahre Freiheit und der wahre Fortschritt des
Menschen führen ihn zu seiner Heiligung, und da es seine Bestimmung ist,
hienieden an seiner Heiligung zu arbeiten, und da zwischen seiner Bestimmung und
seiner Sehnsucht ein geheimer Zusammenhang besteht, so gibt es wohl wenig
Herzen, die bei den Worten: Fortschritt, Freiheit kalt und gleichgültig blieben.
Aber, wenn nur auf irdischem Gebiet und mit irdischen Kräften und Mitteln jener
sich schrankenlos fortbewegen, diese sich unbegrenzt entfalten soll; wenn der
Begriff der Freiheit zur willkürlichen Ungebundenheit herabsinkt und der des
Fortschrittes ausartet in ein tolles Rennen für materielle Zwecke ohne
übernatürliches Ziel; wenn diese beiden Triebe des Menschen, die dazu bestimmt
sind, ihn zu adeln, indem er sie der Leitung der ewigen Wahrheit und dem Dienste
eines höheren Willens unterwirft, statt dessen von blinder Leidenschaft
irregeführt, in das Netz der Lüge ihn verwickeln: dann gibt es wenig Waffen,
welche dem Geist
