. Diese Kreuzigung setzen sie
fort, so viel an ihnen ist, indem sie die Lehre vom Kreuze zu vernichten suchen.
In der Literatur und Journalistik, in den schönen Künsten und Wissenschaften
wimmelt es von Juden, die zum Teil mit Genie und Talent, zum Teil mit frecher
Unwissenheit, jeder in anderer Weise, das Christentum zersetzen, verfälschen,
benagen, ignorieren, verleumden, verhöhnen, mit einem Wort: das Ihre tun, um es
zu beseitigen.«
    »Aber wer glaubt ihnen?« fragte Regina.
    »Nicht als Glaubenslehrer treten sie auf,« entgegnete Uriel. »Das tief
Antichristliche ihrer Weltanschauung, das sie auf ihrem Standpunkt haben müssen,
kleiden sie in das blendende Gewand, welches ihr Talent webt und die große
Menge, der überhaupt nichts ferner liegt, als einen christlichen Maßstab an die
Erscheinungen auf dem großen Markt des Lebens zu legen, bewundert alles, was
amüsant, pikant, frappant und brillant ist, kümmert sich nicht darum, ob eine
objektive Wahrheit die Flamme ist, an der sich diese Lichter entzünden, sondern
betrachtet sie selbst als Wahrheit, bloß deshalb, weil sie glänzen, und bildet
sich allmählig zu den Ansichten und Urteilen um, die sie, hauptsächlich wegen
der Darstellungsart, so sehr bewundert. Wie einst Voltaire die gröbsten Lügen
und frechsten Verleumdungen mit gewandtem Wort und leichtem Witz vorbrachte,
wütenden Beifall fand und den verderblichsten Einfluss übte, weil die große Menge
es für eine Art von Schmach gehalten hätte, ein solches Genie nicht zu
bewundern, und für eine Unmöglichkeit, dass ein solches Genie nicht Wahrheit und
Recht auf seiner Seite habe: so ist es auch jetzt bei einer Menge von Voltaire's
im kleinen Stil, die keineswegs lauter Juden sind, aber mit ihnen das
Antichristliche gemein haben. Darauf beruht die Größe vieler Sommitäten der
Gegenwart: sie sind das, was man so unmäßig überschätzt, sie sind geistreich in
jener oberflächlichen Weise, welche dem Durchschnittsmass der Menge entspricht -
und weil sie es sind, lässt man sich die geistige Falschmünzerei gefallen, die
sie treiben, indem sie Falsches oder Verkehrtes und Halbwahres mit dem Gepräge
ihres Geistes als Wahrheit stempeln und in der Welt in Kurs setzen.«
    »Also überwiegt wohl gar das Antichristliche das Christliche in der Welt?«
fragte Regina.
    »In dem, was man im engeren Sinne die Welt nennt, ganz entschieden!« sagte
Uriel; »und zwar so sehr, dass sie meint, es sei ihr Recht und das Christentum
habe draußen zu sitzen in beliebigen Kirchen und Betäusern, wo es frequentiert
werden könne von unwissenden, ungebildeten, geistlosen Leuten, von
Scheinheiligen und Betschwestern männlichen und weiblichen Geschlechtes. Wer
seinen Fuß in einen Salon setze, müsse auf dessen Schwelle
