Der Goldschmied Dürer. Ich hatte immer die meiste Freude
daran ihm die Risse und Zeichnungen zu machen zu seinen Werken und viel lieber
zu zeichnen als zu hämmern und zu gießen. Da er es aber nicht anders wollte,
dacht' ich, ich könne meine Neigung bezwingen, und gab mir alle Mühe in seiner
Werkstatt. Aber zuweilen kam es mir hart an und ich grämte mich schier, dass ich
darauf verzichten sollte, ein Maler zu werden. Da bat auch die Mutter den Vater
für mich, und er tat mich zum Meister Wohlgemut in die Lehre - und nun hab'
ich die doppelte Pflicht etwas Rechtes zu lernen und ein rechter Maler zu
werden, einmal weil mir's im Innern eine Stimme immer gesagt, dass für mich kein
Heil ist außer bei dieser Kunst, und dann weil es meinem Vater hart angekommen,
mich aus seiner Werkstatt und in die fremde Lehre zu tun. Solches sag' ich mir
täglich, und werde nicht müde zu beten und zu arbeiten, damit es mir gelinge!«
    »Dann wird es Euch gelingen!« rief der Fremde und legte seine Hand liebreich
auf die Schultern des jüngeren Begleiters. »Durchglüht von echter Begeisterung
für die Kunst wachsen uns selbst die Flügel, die uns emportragen in ihr
göttliches Reich. Wie Euch zur Malerei, so drängte mich's zur Baukunst, und
Nichts wäre im Stande gewesen mich ihr zu entziehen. Nicht wie Euch einem
Handwerk, dem Priesterstande wollte man mich weihen, aber mich drängte es zum
Hohenpriestertum der Kunst, und ich denk' ihr zu opfern mit reinen und
fleißigen Händen. Gottesdienst ist die Kunst, und selig ist es ihr zu dienen in
rechter Treue, und wenn es sein muss, sich selbst ihr zu opfern!«
    »Amen!« sagte Albrecht Dürer; »Ihr sprecht mir aus der Seele und es klingt
fast so schön, als hört' ich meinen Freund Willibald. Aber ich darf nicht länger
mit Euch plaudern. Hier an der Brücke bin ich am Ziel, und Ihr seid es bald, Ihr
braucht nur über sie zu gehen, dann der geraden Straße zu folgen, dann führt
Euch links die dritte Gasse an Euer Ziel. Seht hier die Brücke: sie ist
kunstvoll gebaut in einem einzigen Bogen nach dem Muster der Rialtobrücke in
Venedig - ich kann nicht hinübergehen ohne zu wünschen, auch einmal nach Venedig
selbst zu kommen. Waret Ihr schon dort?«
    »Noch nicht,« antwortete der Fremde, »aber wir werden es schon beide einmal
sehen. Doch vorerst muss man sich umsehen im deutschen Lande, deutsche Art und
Kunst kennen lernen und bei deutschen Meistern arbeiten, ehe man in's Ausland
geht. Da muss man erst
