 ewigen Baues.«
    »Sie werden nur fehlen, wenn der Aufschwung fehlt, der Glaube an die Macht
des Ganzen!« fiel ihm Ulrich in's Wort; »aber Beides wird kommen, wenn die
Stimme des Meisters ruft und sie den Grundstein gelegt sehen zu einem neuen Bau.
Du hast die erhabene Sendung empfangen, das Haupt des deutschen Reichs zu sein:
so stelle Dich hin mit Zuversicht in seine Mitte; sei nicht nur der Baumeister,
der den Plan entwirft, sei selbst der Mittelpunkt des Sechsortes, sei die
Grundlinie in dem Achtort, sei der Zirkel, der darinnen steht und den heiligen
Kreis um sich zieht, und das erste Quadrat trage Wahrheit, Freiheit, Recht und
Kraft an seinen Spitzen, denn darin ruht die Signatur Gottes, und das zweite
Quadrat sei die Einheit, die das Achtort bildet, und darauf allein baue weiter:
dann wird das ganze Volk in Deinen Tempel strömen, preisen und danken und sich
neigen vor der göttlichen Macht.«
    »Fürwahr,« sagte Max, »ich möchte wissen, ob je Albertus Magnus sich hätte
träumen lassen, dass seine Lehre vom Kirchenbau einmal solche Anwendung finden
würde auf das Reich.«
    »Warum nicht diese?« fragte Ulrich. »Er hat den Tempelbau als Gottesdienst
selbst gelehrt, und solcher ist es auch den Tempel einer Nation zu erbauen; das
Höchste wird vollbracht, wenn es den höchsten Maßstab an sich legt. Hier ist
Leben und Bewegung, sagtest Du vorhin selbst, und doch ein Bau, der Stand halten
wird im Sturm der Zeiten! Siehe, so ist es! gerade nur ein solcher vermag zu
dauern, den das Leben sich frei entfalten lässt und keine Bewegung verhindert.
Denke Du auch so auf dem Thron des deutschen Reichs. Hindere keine Bewegung im
Volke, die nicht das Ganze bedroht, hindere keine Bewegung im Reich der Geister,
gib nicht zu, dass die Pfaffen sie jemals hindern! Was wir als Geweihte erkannt
und um unsere Erkenntnis wenigstens anderen Geweihten durch Symbole
mitzuteilen, und da und dort auch den Profanen, wenigstens solchen, die in den
Steinen lesen können, in unsern Wahrzeichen kund tun, dass wir, die wir zum
Kirchenbau berufen, doch die Gebrechen der Kirchendiener und Verfassung
erkennen: das vergiss nicht draußen im Reich: herrsche mit der Krone und dem
Szepter Karl's des Großen, aber lass den Kaisertron mehr sein als einen
Fussschemmel unter dem päpstlichen Stuhl.«
    Max antwortete nichts mehr, weil er nichts mehr hören mochte. Nur der freie
Maurer durfte eine solche Sprache reden, nur als freier Maurer durfte er sie
anhören. Noch war er ja nur König, noch nicht Kaiser. Er wandte sich von Ulrich
zu Anton
