 Bürgertumes
Gehört für sie ein Teil des höchsten Ruhmes.
All dies in deinen Mauern wohl geborgen
Du edles Nürnberg zeigte mir der Geist,
Und was ich sah, und was ich konnt erhorchen,
Das dich vor aller Welt noch einmal preist:
Das hab ich, wie ich mich an dir erhoben
Dich auch erhebend in mein Werk gewoben! -
Geh hin, mein Buch, und grüß die deutschen Auen
Und grüße Alle, die Begeisterung weiht,
Baubrüdern gleich, am Tempel mit zu bauen,
Auf altem Grund im Dienst der neuen Zeit!
Dass deutsche Kunst und Art bleib' unvergessen,
Das ist das Ziel, dess sich dies Buch vermessen.
                                                         Nürnberg, Oktober 1873.
                                                                    Louise Otto.
 
                                 Erstes Kapitel
                               Der Wandergeselle
An einem sonnenklaren Maientage des Jahres 1489 wanderte ein schlanker Jüngling
auf der breiten Heerstraße, die von Westen nach Nürnberg führte, der ehrwürdigen
Reichsstadt zu. Schon waren ihm viele Menschen begegnet zu Fuß wie zu Ross und
hoch mit Kaufmannsgütern beladene Wagen, umgeben von zahlreichem Geleit, denn
ohne solches wagte Niemand die Waren zu versenden, die so noch oft genug in die
Hände der rohen Raubritter fielen, die ihr Wesen gerade am Aergsten von ihren
düstern Burgen herab in der Nähe der freien Reichsstadt trieben, deren Reichtum
sie beneideten, deren Bürgerstolz sie hassten und deren Bürgern sie schon darum
gern einen Verlust und Schaden zufügten, weil diese selbst oft genug den hohlen
Glanz des Rittertums verdunkelten, und wo es in ihrer Macht war, sich nicht
scheuten, seine Angehörigen, wenn sie dieselben eines Frevels überführen und
habhaft werden konnten, nach ihren strengen Gesetzen zu strafen und zu richten.
    Schon an diesem belebten Verkehr hätte der Jüngling erkennen müssen, dass er
dem Ziel seiner weiten Wanderschaft sich endlich näherte - aber als er jetzt aus
dem gewaltigen Reichsforste trat, durch den sein Weg zuletzt geführt: da lag sie
vor ihm, die große, sich weit ausbreitende Stadt, in der doch ein Giebel dicht
an den andern gedrängt den Nachbar zu überragen strebte, indes zahlreiche Türme
miteinander wetteiferten den Himmel zu begrüßen und in kunstvollen Formen sich
von ihm abzuzeichnen. Höher darüber tronte die Veste, die vor etwa fünfzig
Jahren neu erbaut worden war von den Bürgern Nürnbergs, nachdem sie Ludwig der
Bärtige von Bayern 1420 niedergebrannt und Markgraf Friedrich von Brandenburg
sie samt allen Rechten einige Jahre später an die Stadt Nürnberg verkauft
hatte. Da und dort blinkten die grünen Wellen der Pegnitz, welche die Stadt
durchströmt und in zwei Hälften schneidet: die Lorenzer und die Sebalder Seite,
so genannt nach ihren Kirchen, den herrlichsten Denkmalen gotischer Baukunst.
Da und dort, besonders aus den Vorstädten steigt düsterer Rauch auf, der kommt
aus den gewaltigen Schornsteinen der zahlreichen Giesshütten, in denen die Kunst
und das Handwerk
