 kamet immer wieder in meinen Weg, auch ohne dass Ihr es
wolltet; jetzt endlich kam der Augenblick, da ich Euch vergelten konnte, jetzt
endlich durft' ich Euch sagen: Ulrich, nun sind wir quitt! - und - o Gott - was
habe ich Euch denn gesagt!«
    »Nur Ähnliches, als was ich selbst empfunden!« rief Ulrich. »Mein Tun und
Fühlen glich dem Euren! Wohl uns, dass wir in diesem Kampfe nicht erlegen sind,
dass er uns nicht hinabgezogen hat in den Pfuhl der Sünde oder auch nur in den
Staub des Alltaglebens; er hat uns geläutert und erhoben zu jener einzig wahren
Gemeinschaft der Heiligen, die im reinen Streben nach dem Höchsten Ersatz finden
für die Schmerzen und das Entsagen, unter dem sie danach ringen. Eure Hand,
Elisabet! Kein Fliehen und kein Suchen mehr - ein freudiger Triumph, zu wissen,
was wir Ein's dem Andern danken - ein Sieg des Geistes, der die Welt überwunden,
indem er sie verklärt im Dienst der Kunst. Was ist der kurze Rausch des
Erdenglückes gegen die Seligkeit eines Streben und Ringens, das nach Aeonen
zählt und uns seine Wahrzeichen hinterlässt in ewigen Schöpfungen?«
    Groß und herrlich standen die Beiden einander gegenüber - als Priester und
Priesterin des Ideals, dem, so lange die Welt steht, alle strebenden Geister
nachringen, um es zu erreichen für sich selbst und die Menschheit, der sie
dienen; der letzte Sonnenstrahl der hinter Gewitterwolken purpurumsäumt
scheidenden Sonne fiel auf sie und umwob sie mit einem gemeinsamen
Heiligenschein - da donnerten Männertritte draußen durch den Korridor.
    Elisabet sagte zu Ulrich: »Ruft meinen Bruder!« und indes er die Tür des
Chörleins öffnete, stürmte durch die entgegensetzte Zimmertür ein Mann in
Bettlerkleidung herein, unter seinem Mantel zog er ein Schwert hervor, drang
damit auf Elisabet ein, die arglos auf die Tür zugegangen war, stieß es in
ihre weiße Brust und rief:
    »Du entgehst Deinem Schicksal nicht!«
    »Streitberg!« rief sie außer sich und stürzte auf den Teppich nieder.
    Es war ein Augenblick, und wenn auch in demselben noch die drei Männer zu
Hilfe sprangen, die alle unbewaffnet waren - denn Ulrich wollte nicht das
Schwert wieder tragen, das man ihn in der Bauhütte abgenommen, - so war es doch
zu spät - zu spät sogar einen andern Eindringenden abzuhalten, der Streitberg
nachstürzte und diesen mit einem Wehgeschrei, ehe er sich dessen versah, mit
seinem Schwert durchbohrte.
    »Amadeus!« rief Konrad, den Mönch in der ritterlichen Tracht erkennend,
indes Martin und Ulrich sich über Elisabet neigten und sie auf das Sopha hoben.
Sie war ohnmächtig, aber sie lebte noch; Martin drückte ihr ein Tuch
