 ihr geworden, wie die andern Nürnbergerinnen demütigen
können und doppelt, wenn sie erkennen ließ, wie sie selbst, da sie in Gefahr
war, nur allein auf ihre Unschuld und ihr Recht sich verließ, die königliche
Hilfe verschmähend, da sie derselben doch so gewiss hätte sein mögen, wie jetzt,
da sie für Andere sie forderte. Aber sie wollte sich keinen eitlen Triumph
verschaffen, wo ihre Seele von dem schönsten in ihren heiligsten Tiefen erfüllt
war. Ja, sie wollte auch nicht den bösen Leumund von einer Hallerin preisgegeben
sehen, was sie mit dem reinsten Hochsinn des Herzens getan, dem ein edles Wesen
folgt, auch wenn es sich sagen muss, dass es sich damit dem Spott oder der
Verleumdung aussetze. Am meisten aber wünschte sie aus weiblichem Zartgefühl,
dass es Ulrich selbst verborgen bleibe, was sie für ihn getan: ihr schönster
Lohn war es, dass sie ihm Leben und Ehre wiedergegeben, ihr genügte dies
Bewusstsein, sie wollte keinen Dank, und sie wollte auch kein Begegnen, das ihren
und seinen Ruf auf's Neue gefährden könne.
    Aber freilich: bis jetzt war auch nur das eine Versprechen des Königs in
Erfüllung gegangen, dass die Verurteilten begnadigt und frei und die noch
schwebenden Untersuchungen niedergeschlagen waren - aber dass Ulrich für ehrlich
erklärt ward und in die Bauhütte wieder aufgenommen, das ging nicht so schnell,
das bedurfte erst noch anderer Schritte und Vorbereitungen und konnte ihm nur
als Hoffnung verkündet werden. Indes hatte Elisabet doch die königliche Schrift
in Händen, welche für Ulrich zum Freibrief werden sollte, aber da sie das
Dokument in die Hände des Propstes legte, geschah es nur unter der Bedingung:
Ulrich weder zu sagen, durch wen er es erhalten, noch wem er diese glückliche
Wendung seines traurigen Geschickes verdanke.
    Da der Propst mit zu den Ersten gehörte, welcher die glückliche Nachricht
von der Niederschlagung dieser Untersuchung erhielt, so war es ihm auch leicht
die Erlaubnis zu erhalten: Ulrich selbst die Freiheit zu verkündigen. Es drängte
ihn um so mehr dazu, als er sich jetzt, nun die Gefahr vorüber, seiner Feigheit
und seines Kleinmutes schämte, womit er selbst Ulrich preisgegeben, und nur
sich selbst aus der Schlinge zu ziehen gesucht hatte. Um sein eigenes Gewissen
zu beruhigen, redete er auch sich selbst glücklich ein, dass er, da Elisabet ihn
zu Rat gezogen, ehe sie gen Augsburg reiste, doch einigen Anteil an dem
glücklichen Resultat habe, das sie mit heimgebracht, und dass er sich wenigstens
mit einigen solchen Andeutungen bei Ulrich entschuldigen dürfe.
    Ulrich war wie ein Träumender - das Leben war ihm wieder geschenkt, und mehr
als das: die Ehre, und mehr als beides: die hohe Kunst, der er diente,
